Hat jemand Drogerie gelernt?

Der Blick in den Spiegel lässt mich den Entschluss fassen, mein mittlerweile straßenköterblondes Haupthaar farblich umzugestalten. Den fachmännischen Rat des Frisörs will ich nicht. Selbst ist die Frau, sage ich mir und mache mich frohgemut auf den Weg zum Drogeriemarkt.

Auf dem Marktplatz habe ich fünf entsprechende Geschäfte zur Auswahl: Drospa, Rossmann, Schlecker und dann auch noch Woolworth und Karstadt.

Und nun? Eene meene muh und dran bist du!

Meine Wahl fällt auf die Drospa-Filiale. Am Eingang schnappe ich mir einen Einkaufswagen und schiebe ihn zielstrebig durch die Gänge. Kämme und Bürsten, Shampoo, Haarspray und Festiger und da ist das Regal mit den Produkten, die ich suche. Zwei Meter hoch und drei Meter breit ist das Regal mit weiß der Geier wie vielen Tönungen und Färbemitteln von unterschiedlichen Anbietern in allen Preisklassen.

Na und erst einmal die Namen der Farben! Von superschwedischblond über tizianrot bis zum tiefdunkelblauschwarz ist alles dabei.

Will ich tönen, färben oder will ich Strähnchen?

Die Fotos der männermordenden Models auf den Packungen schauen mich mal mondän oder frech, mal verführerisch-romantisch oder einfach nur glücklich lachend an. Keine ist älter als zwanzig. Alle zeichnen sich durch kräftige und wundervolle Haare aus, von kurz über mittellang bis total lang und das auch noch in unzähligen Nuancen.

Oh je, wie soll ich bloß das Richtige für mich finden? Ob ich mal eine Verkäuferin um Beratung bitte? Ah ja, da ist eine. Die sortiert gerade Cremetiegelchen für die „reife Haut“ ins Regal. Meine freundliche Bitte stößt nicht auf Hilfe. Sie empfiehlt mir, morgen wieder zu kommen, dann ist ihre Chefin da und die hat „Drogerie gelernt“ und mit einem energischen Fußtritt zerstampft sie den leeren Cremetiegelkarton.

Dann eben nicht! Ich verlasse den Laden und gehe zu Karstadt und finde dort ein ebenso großes Regal mit all den einschlägigen Angeboten, die mir auch die Werbung im TV suggeriert, anzuwenden. Eine ältere Karstadt-Mitarbeiterin hilft mir gerne und führt mich schnurstracks zu den Produkten, die laut Herstellerhinweis problemlos die grauen Haare der nicht mehr taufrischen Zielgruppe übertünchen. Das Angebot ist übersichtlich, die Packungen kleiner, die Fotos der Models nicht ganz so prächtig und die Haarfarben eher langweilig. Der Karstadt-Dame knurre ich ein mürrisches Dankeschön entgegen und stiefel in die gegenüberliegende Kosmetikabteilung. Zielsicher greife ich nach der Anti-Falten-Creme von Nivea, zahle an der Kasse die siebenundzwanzig Euro mit meiner Visa-Karte und verlasse das Kaufhaus. Soll ich jetzt nach Hause fahren oder zum Frisör gehen? Den Frisörbesuch lasse ich, dafür achte ich abends auf die Werbespots im Fernsehen.

03.05.2005

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