Dampferfahrt nach Wilhelmshaven

Eine Seefahrt die ist lustig……………………………..

…so auch unsere von Hooksiel zum Jade-Weser-Port und zu den Seehundsbänken. Der Kalender zeigte den 23. Tag im Wonnemonat Mai an, der aber in diesem Jahr nichts mit Sonne, blauem Himmel und tollem Frühlingstag zu tun hatte. Auf der Fahrt in Richtung Wilhelmshaven ließ das Nieseln nach und ein kräftiger Regen setzte ein, der noch immer anhielt, als wir den Parkplatz im Hafen erreichten. Viele Autos mit Kennzeichen aus Bayern und Baden-Württemberg füllten den großen Parkplatz. Als der Rundfahrtdampfer am Anleger festmachte, begann der große Run endloser Regenschirme auf zwei Beinen, in Plastik gehüllte Kinderwagen und Buggis und zahlloser Zwerge in kunterbunter Regenkleidung auf ihn. Dann waren alle Rundfahrtteilnehmer im Inneren des Schiffes verschwunden, das Gepäck verstaut und der Kapitän startete knatternd den Motor des Dampfers, ließ dreimal sehr laut das Horn ertönen und fuhr durch die Hafeneinfahrt aufs offene Wasser.

Dreihundert Fahrgäste sind an Bord herzlich willkommen und bei trockenem Wetter verteilen sich die Besucher gleichmäßig übers gesamte Schiff, die meisten nach draußen und wenige nach drinnen. Heute ist das anders. Alle wollen unter Deck einen trockenen Platz ergattern. Wir eigentlich auch – doch alles ist pralle voll, alle Bänke mehr als besetzt. Selbst die Garderobenhaken bieten für nasse Jacken keinen Platz mehr.

Schon nach wenigen Minuten war die Luft im Innenraum dermaßen stickig und verbraucht, so dass sich mir schon fast der Magen umdrehte. Kein Wunder, so viele Menschen in nassen Klamotten, die vielen triefenden Regenschirme, die beschlagenen Fensterscheiben, an denen das Kondenswasser runter lief. Einige Fahrgäste wickelten bereits ihre Stullenpakete aus, gaben den Kindern Kekse und Apfelsaft und ließen andere Fahrgäste an den Gerüchen ihrer mitgebrachten Verpflegung teilhaben.

Zwischenzeitlich öffnete auch der Bordkiosk, der sich sofort großer Beliebtheit erfreute. Kaffee mit und ohne Sahne, Kakao für die Kleinen, kalte und warme Getränke, Currywurst, Pommes mit und ohne rot-weiß, Crepes mit Nutella, Salat und Würstchen, Sandwichs und allerlei Süßigkeiten  – der Andrang auf das Angebot ist riesig, das Kioskpersonal ackert im Schweiße seiner Füße und macht ein Riesengeschäft.

Als sich diese Küchengerüche dann auch noch unter die ohnehin schon atemberaubende Luft mischen, hält mich unter Deck nichts mehr auf meinem ohnehin zu engen Platz. Ich kämpfe mich über die volle Treppe nach oben und nach draußen aufs Oberdeck an die frische Luft. War echt höchste Eisenbahn mit der Frischluft, denn mein Magen schlug schon Purzelbäume…! Es regnet kräftig, aber die Luft ist super und ich atme tief durch. Nee, nach unten gehe ich nicht wieder und wenn ich hier einregne und bis auf die Pelle nass werde!

Ich erkunde das Schiff und lande im Zwischendeck, das überdacht ist, aber genug Frischluft bietet. Da gefällt es mir – sofern das Wort „gefällt“ überhaupt mit dem heutigen Tag vereinbar ist – und da bleibe ich und irgendwann stöbert mich dort auch mein Mann auf, der mich schon auf dem gesamten Dampfer suchte und Schlimmstes befürchtete. Keine Ahnung, was er damit meinte, doch da ich nicht gerade als gesprächig einzustufen bin, hinterfrage ich das auch nicht.

Der Wind findet das Zwischendeck auch attraktiv und bleibt ebenfalls dort und bläst meine klitschnasse Jacke trocken. Andere Seefahrer finden diesen Standort ebenfalls optimal, denn Väter spielen mit ihren Kindern Fußball, Verstecken und Kriegezeck, Mütter schaukeln die ganz Kleinen auf den Armen, füttern ihre Babys mit Brei und Milchshakes, nehmen Kontakt zu Gleichgesinnten Frauen und Männern auf, zwecks Erfahrungsaustausch bei der Aufzucht des goldigen Nachwuchses.

Die Riesenkräne des neuen Jade-Weser-Ports, deren rote Füße und blaue Ausleger in den grauen Frühlingshimmel ragen, stehen einsam und beschäftigungslos herum. Der Kapitän erläutert per Lautsprecher einiges zu diesem wichtigen Jahrhunderthafen, doch seine Stimme geht im Motorengeräusch, dem prasselnden Regen sowie im Lachen und Plärren der Kinder völlig unter.

Danach nimmt das Schiff Kurs auf die Seehundsbänke und das gefällt besonders den Kids. Selbst der Regen hat ein Einsehen und stellt seine bisher kräftigen Aktivitäten schlagartig ein, so dass alle Passagiere, die Lust auf diese putzigen Seebewohner haben, an Deck kommen, um Fotos zu schießen. Doch das ist nicht alles, was der Kapitän den kleinen Gästen zu bieten hat. Das nächste Highlight steckt im Fischernetz, das triefend aus dem Wasser gezogen wird und der Inhalt sich in eine mit Seewasser gefüllte Wanne ergießt. Kleine Krabben und Krebse, winzige und größere Fische, Muscheln, Algen und noch so Allerlei tummeln sich im Wasser. Die Erklärungen zu all diesem Getier bekommt der Interessierte – ob Groß oder Klein –  nun vom wissenden Seebär präsentiert. Die Kinder dürfen Krabben, Muscheln und Krebse anfassen, Fragen stellen, bekommen viele Antworten und sie sind traurig, als dann alles aus der Wanne wieder über Bord gekippt wird.

Nun neigt sich die kleine Seereise ihrem Ende zu, denn der Dampfer tuckert gen Hafen und es lässt sich sogar – welch ein Wunder – die Sonne sehen. Am Anleger angekommen, geht ein tierisches Gedrängel und Geschiebe los, denn jeder will beim Verlassen des Schiffes der Erste sein, ob mit oder ohne Kinderwagen. Übrigens: Nun strahlt auch die warme Maisonne vom blauen Himmel.

Mai 2013

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.