Tigi, Hasi und die Grabowskis

Man soll es ja kaum glauben, wie umtriebig unser großes Felltier ist. Da fahren wir nach Cuxhaven und treffen einen Freund von Tigi, den er uns bislang noch nicht vorgestellt hat, nämlich Hasi Langohr. Das ist vielleicht ein verrückter Kerl! Er entstammt einer Hasenfamilie und seit letzten Herbst tingelt er ganz alleine am Strand von Cuxhaven herum, besser gesagt, im Wattenmeer und springt von Pfütze zu Pfütze und wie sich das für einen ordentlichen Hasen gehört, selbstverständlich im Zickzack. Ein Hase im Wattenmeer – trifft man auch nicht alle Tage! Tigi hat natürlich null Bock, seinen Freund auf schlammigen Boden zu begrüßen, so dass das stattliche Hoppelvieh auf den Rasen kommen muss, wo sich die beiden Fellträger in die Arme fielen. Irgendwie war das mit Hasi aber auch ein bisschen verrückt, wann sieht man schon mal einen Hasen im Wattenmeer!

Ein weiterer Kumpel, wie Tigi zu sagen pflegt, ist Heinrich. Heinrich ist ein neuer Maulwurf, der zu uns in den Garten gezogen ist. Tigi sagt allerdings, dass es ein außerordentlich hässliches Viech ist, aber ein toller Typ mit dem Herz auf dem rechten Fleck – also ein Kumpel vom Feinsten. Eigentlich ist Heinrich ein Asylant, spricht aber viele Sprachen, so dass es keine Verständigungsprobleme auch nur an einer einzigen Stelle gibt. Heinrich entstammt einer alteingesessenen Berliner Maulwurfdynastie, die leider ihren Grund und Boden in Berlin Schönefeld verloren hat. Alles durch den Bau des neuen Flugplatzes, sagt er. Dort lebten alle Familienmitglieder auf einen Riesenareal fröhlich aber nach strengen Regeln miteinander. Doch die Flughafenbagger und anderes schweres Gerät rissen die einst glückliche Familie auseinander, viele wurde getötet, andere umgesiedelt und einige konnten noch rechtzeitig flüchten. So auch Heinrich, der mit seiner Frau Elsa und den neun Kindern auf einen vorbeikommenden Testzug des Herrn Mehdorn aufsprang und somit in Bremen landete und vom Hauptbahnhof bis zu uns trampten.

Heinrich und Tigi waren sich sofort sympathisch und Tigi wurde gleich in die unterirdischen Gemächer der Maulwurffamilie eingeladen. Zum Abendessen servierte Elsa eine Gaspacho von winterlichem Gemüse, Gulasch von Regenwürmern, Kartoffelpuffer und geröstete Grashalme und dazu wurde ein Lesumer Läuseblut – ein trockener Rotwein – gereicht. Also Tigi schwärmte hinterher in den höchsten Tönen und ganz besonders von dem feinen französischen Ambiente was in Deko und Sprache zum Ausdruck kam. Elsas Familie stammt aus den Pyrenäen und die spanischen Einflüsse sind ihr nach wie vor anzumerken. Die Kinder sind bis auf fünf schon aus dem Haus, studieren sowohl in Hamburg, Berlin, Valencia und Palermo Agrarwissenschaften und Meteorologie, Sozialkunde und Sprachen.

Uns gefällt natürlich Tigis Umgang mit so gebildeten und kulturell interessierten Zeitgenossen recht gut und wir hoffen, dass er sich an diesen Zuwanderern ein Beispiel nehmen kann und sicherlich werden wir noch über das eine oder andere Erlebnis hören.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.