Tigi, Gerda & der Professor

„Wow, was siehst du toll aus Tigi! Deine Barthaare sind gestylt wie die von Horst Lichter, dein Fell glänzt und der neue Nagellack steht dir auch bestens – schicke Farbe! Allerdings die Wimpern sind ein bisschen zu schwarz geschminkt. Was hast du denn vor?“

„Gerda und ich sind beim Professor eingeladen, der will uns coachen – also fernsehfit machen, damit wir das mit den vielen Interviewanfragen vernünftig hinbekommen. Ich werde jetzt ein Medienstar, verstehst du? Der Musikauftritt auf der Fanmeile war nur der Anfang. Da hat die Welt erkannt, dass ich nicht nur ein einfacher doofer Tiger bin – ich bin ein Star, ein Tiger mit ganz viel Talent und Naturbegabung!“

„Tigi, bist du dir sicher, dass du okay bist oder hast du Fieber? Muss ich mir Sorgen machen? Trinkst du bei der Hitze auch immer genug? Ich hol dir mal ein Glas Wasser…“

„Quatsch, mit mir ist alles total in Ordnung, mir fehlt nichts. Warte mal ab, wenn ich erst der Superstar bin, dann kannste dich glücklich schätzen, mich zu kennen! Solltest auch schon mal lernen, wie man mit den Medien umgeht. Irgendwann stehen die auch bei euch vor der Tür und wollen dies und das wissen. Da musste vorbereitet sein, reden können und so. Und gut aussehen musste auch!“

Gerda kommt rein spaziert und die hat sich vielleicht aufgebrezelt, dass ich fast vom Hocker rutsche. Ihre Federn hat sie kräftig lila getönt, ihr Schnabel leuchtet knalle rot und ihre Füße stecken in pinkfarbenen Stiefeletten, die bis übers Knie reichen. Um den Hals hat sie einen orangefarbenen Schal geschlungen und die schwarze Federhaube auf dem Kopf ist eine Leihgabe vom Haubentaucher unten an der Weserpromenade.

„Findest du nicht auch, dass Gerda hammerhart aussieht – der olle Vogel fetzt doch – oder? Und weißte was, Gerda hat schon Interviewanfragen vom Ringeltaubenzüchterverein und vom internationalen Brieftaubenverband!“

„Aber Gerda hat doch beim Konzert auf der Fanmeile in Berlin gar nicht mitgemacht. Weshalb rennt man ihr denn die Bude ein?“

„Na Gerda soll auf Wunsch des Neuköllner Bürgermeisters Heinz B. die Berliner Taubenbeauftragte werden und Tauben mit Migrationshintergrund integrieren. Außerdem ist man an ihrer Flugschule am Flugplatz Schönefeld interessiert und dort auch eine Filiale vom Brieftaubenverband leiten.“

„Das alles soll Gerda, unsere Gerda, packen? Tschuldigung, ist das nicht eine Nummer zu groß für sie?“

„Meinste? Nee, kann ich mir nicht vorstellen; das kriegt sie schon hin“, sagt Tigi. „Aber ist auch schnuppe, Kameratraining brauchen wir so oder so! Das braucht heutzutage jeder und deshalb fahren wir jetzt zum Professor, der bringt uns das bei, der macht Stars aus uns. Kannst ja mitkommen, wenn du willst.“

Der Taxifahrer atmet erst mal tief durch, als er wieder alleine in seiner Droschke ist. Tiger und Taube – was ist das denn für ein komisches Pärchen? Und wie die gegackert und sich an den Händel gehalten haben….! Also als Taxidriver kannste schon was erleben – sogar hier in der Provinz!

Der Professor wartet schon. Er ist mit Tigi und Gerda befreundet und seit er weiß, dass Tigi ihn oft in sein Nachtgebet einschließt, hat Tigi fast Narrenfreiheit bei ihm. Na und weil Tigi und Gerda meist im Doppelpack auftauchen, hat er mittlerweile auch Gerda irgendwie liebgewonnen. Hagebuttentee und Schokokekse stehen auf dem Tisch und die Kamera ist aufgebaut. Ein paar Erklärungen noch und dann posieren die beiden wie echte Hollywoodstars bzw. Models auf dem Laufsteg. Also kamerascheu sind die Zwei nicht! Tigi bewegt sich wie ein Gigolo, ihm fehlt bloß noch die Silberstange, an der er sich hoch und runter schlängeln kann – sind wohl die Dschungelgene, die er in sich trägt und nun zum Vorschein kommen. Gerda hingegen führt mit ihrem orangefarbenen Schal einen Schleiertanz auf, der jeden Scheich im orientalischen Harem beeindrucken würde.

„Haltet mal an, ihr Zwei“, bremst der Professor Tigi und Gerda aus. „Ihr sollt üben, sicher vor der Kamera und dem Mikrofon aufzutreten, ordentlich zu reden, auf Fragen konkret zu antworten. Wir drehen kein Werbevideo für Deutschland sucht den Superstar! Ihr sollt lernen, perfekte Interviews zu geben.“

„Mensch Professor, das ist die Idee überhaupt! Au ja, wir sind doch super stimmt’s und wir sind Naturtalente. Der Dieter Bohlen wird sich die Finger lecken, wenn wir ihm ein Video schicken und in seiner Show auftreten – wir sind garantiert Gewinner der nächsten DSDS-Staffel!“ Tigi flippt geradezu aus, so toll findet er die Idee und sieht sich schon als Superstar, der mit seinen Auftritten alle Welt begeistert, große Stadien füllt und den seine Fans umjubeln und ihm zu Füßen liegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.