Das Schweigen der Pfeffermühlen

Toller Laden, super lecker, ganz neu in der Gegend, müsst ihr unbedingt hingehen – so wurde uns das Restaurant angepriesen. Also mussten wir den totalen Fischgenuss selbst probieren und erleben, denn wir essen frischen Fisch sehr gerne und außerdem wollen wir im Bekanntenkreis mitreden können.

Gemeinsam mit einer Freundin saßen wir einige Tage später im neuen Fischrestaurant, studierten die Fischkarte. Die Wartezeit, bis wir unsere bestellten Köstlichkeiten bekamen, überbrückten wir mit munteren Plaudereien.

Ein intensives Kkkrrrrkkkkkkrrrkkkkkkrrrkkk, untermalte unsere Unterhaltung. Was war das bloß? Noch wussten wir es nicht! Meinem Mann ging übrigens das stetige Klack-klack-klack der Absatzschuhe der Bedienung auf dem blanken Fliesenboden ziemlich auf den Keks. Der Laden war gut besucht, die Bedienung war gut beschäftigt und daher auch ihr eiliges Klackklackklack recht dominant.

Dann kam unser bestelltes Essen. Lecker und appetitlich angerichtet sah das nicht gerade aus. Auf allen drei Tellern übrigens nicht. Als ich den ersten Happen probierte, erinnerte es mich an die Schonkost in Kurkliniken oder im Krankenhaus. Auf Nachfrage, warum das Essen so fade schmeckt, teilte die Kellnerin mit den klackernden Schuhabsätzen mit, dass jeder Gast sein Essen alleine würzen soll und brachte ein stattliches Sortiment diverser Pfeffer- und Salzsorten – wie sonst nur im Steakhouse üblich – an unseren Tisch. Also würzten wir unseren Fisch und nun wussten wir auch, dass das zuvor nicht identifizierte Geräusch von der Benutzung der Salz- und Pfeffermühlen kam. Kkkrrrrkkkkkkrrrkkkkkkrrrk war also das typische Mühlendrehgeräusch!

Die Gewürzmühlen benutzt so ziemlich jeder Gast, der seinen Fisch nicht so langweilig und fade essen möchte, wie er serviert wird. Eine weitere Begründung der Kellnerin zum ungewürzten Essen war übrigens, dass viele alte Leute es nicht salzig oder scharf mögen, drum können sie es sich in diesem Restaurant selbst so würzen, wie sie es mögen! Aha, so ist das also! Haben Sie solchen Schwachsinn schon mal gehört? Zum Selbstwürzen gehe ich doch in kein Restaurant! Vielleicht muss ich noch meinen Fisch selbst entgräten, falls ich auf Filet bestehe…!

Mein persönliches Highlight beim Essen war dann ein Stück Fisch, das noch roh war. Hätte ich Sushi gewollt, dann hätte ich Sushi bestellt! Klackernd kam die Kellnerin wieder an unseren Tisch und fand das Malheur nicht sonderlich schlimm. Man kann es in der Küche gerne noch mal in die Pfanne tun und durchbraten – lautete ihr Vorschlag. Von meinem Gegenvorschlag, meinen noch teilweise gefüllten Teller abzuräumen, war sie nicht begeistert, aber sie nahm ihn dankenswerter Weise trotzdem mit.

Mein Mann aß ebenfalls nicht alles auf, dafür aber mit sehr langen Zähnen und sehr wenig Appetit. Lediglich unsere Freundin mampfte genüsslich vor sich hin und ich bin mir bis heute nicht sicher, ob es ihr wirklich geschmeckt hat, oder ob sie uns was vorspielte.

Mein Gericht wurde nicht in Rechnung gestellt. War ja ganz nett, aber schmackhafter Fisch wäre mir lieber gewesen. Empfehlen werde ich diese Lokalität niemandem – es sei denn……  das jetzt zu erläutern, ginge wohl zu weit!

Neulich sind wir mal wieder am Fischrestaurant vorbeigefahren und es prangt ein großes rotes Schild am Fenster: „Ladenfläche zu vermieten – Telefonnummer 0172 0815……“  Na sehen Sie mal, der Gast hat das letzte Wort gesprochen und nun schweigen Pfeffer- und Salzmühlen und klackernden Absätze!

April 2013

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