Tigi sagt: Käthe ist einen Ausflug wert

Die zwei großen schwarzen Saatkrähen stapfen durchs feuchte Gras. Unsere Wiese mögen die sehr gerne, besonders dann, wenn es geregnet hat. Dann lassen sich viele Regenwürmer blicken, die diese Vögel auf ihrem Speiseplan lieben. Selbst wenn sie unsere Wiese an manchen Tagen okkupieren, so gehören sie noch nicht zur Familie. So wie Tigi und seine Freunde. Mittlerweile kreucht und fleucht eine stattliche Anzahl Zwei- und Vierbeiner in unserem Garten und Haus herum, so dass man gut und gerne meinen könnte, hier ist ein Privatzoo in der Aufbauphase.

Heilfroh sind wir nur, dass unsere Nachbarn unsere Mitbewohner akzeptieren. Aber wenn man es mal von deren Seite aus betrachtet: Wer widerspricht schon zwei Krokodilen, einem ausgewachsenen Löwen oder einem zwei Meter großen Tiger? Wäre ich Nachbar unserer WG, würde ich die Klappe halten und wäre zufrieden, wenn mir keines der wilden Viecher was tut! Doch wenn die Nachbarn wüssten, wie pflegeleicht das Völkchen ist und bei fast allen nur vegetarische Köstlichkeiten auf dem täglichen Speiseplan stehen, wäre ihr Respekt vermutlich ein anderer.

Leo, der aparte und eitle Löwe, hat sich sehr gefreut, dass er im Garten Radieschen, Kohlrabi, Kartoffeln, Kohl und Möhren anbauen darf. Auch wollte Tigi ein ganz großes Blumenbeet anlegen. Doch als ihm dämmerte, dass er für Pflege, Unkraut jäten und gießen selbst zuständig ist, hat er natürlich gekniffen, der Faulpelz!

Die Krokos – Karl und Emil – verhandeln derzeit mit der Hausverwaltung in Sachen Swimmingpool im Garten. Prinzipiell hat Frau Hausverwaltung nichts gegen so ein „Planschbecken“, aber die Zwei haben was Größeres ins Auge gefasst, nämlich so um die zwanzig Meter und mit Wasserlandschaft ringsherum. Allerdings ist es ihnen ziemlich piepenhagen, ob das Becken nun rund, oval, rechteckig oder quadratisch ist – Hauptsache schön groß und perfekt zum Schwimmen und Relaxen.

Die beiden Eichhörnchen Helmut und Henri haben gemeinsam mit Familie Elster, den Bunt- und Schwarzspechten und Gerda einen Baumkronenpfad angelegt. Die Idee dafür hatten die Elstern, denn die haben sowas in Thüringen kennengelernt, da ist das ein besonderes Highlight im Nationalpark Hainich. Wer also das Leben in der Käthe und umzu aus der Vogelperspektive unter fachmännischer Anleitung erkunden möchte, kann gegen einen stattlichen Obolus von da oben seinen Blick schweifen lassen.

Goliath, der kunterbunte Papagei, ist übrigens der geborene Entertainer und unterhält die Gäste mit entsprechender Musik und außerdem ist er für die Einlasskontrolle zuständig. Mit seinem großen gebogenen Schnabel ist er der perfekte Ticketentwerter und wurde sofort von den Eichhörnchen für diese verantwortliche Aufgabe eingespannt. Ursprünglich sollte ein Vampir für die Fahrkartenentwertung und Kontrolle engagiert werden. Doch wurde dieser Gedanke sehr bald wieder verworfen, denn diese Herrschaften arbeiten nur nachts.

Binnen kürzester Zeit ist die gesamte Anlage zur Attraktion geworden und Besucher kommen von überall her. Damit auch die, die weder fliegen können noch geschickte Kletterer sind, das Feeling über den Baumkronen erleben können, haben die tierischen Freunde kurzerhand einen Shuttle-Lift-Service ins Leben gerufen. Freddy, der rotbraune Jagdhund aus der Nachbarschaft, ist der Zubringer von Bus und Bahn bis zum großen Baum an der Straße.

Wer vor dem Ausflug in luftige Höhen noch Appetit auf einen Snack oder ein Getränk verspürt, kann sich im Baumwurzel-Imbiss der Grabowskis noch stärken. Diese fleißige Maulwurffamilie bietet von morgens um 8 Uhr bis abends um 20 Uhr allerhand Leckeres an, und zwar ganzjährig. Im Sommer unter anderem auch Eis und kalte Limo und im Winter z. B. heißen Apfelstrudel mit Vanillesoße und natürlich Hagebuttentee von selbst gesammelten Früchten.

Danach steigen die Gäste dann auf die Giraffe Wilhelmine oder den Affen Gustav um und schnurstracks geht es aufwärts. Wilhelmine ist eine Ein-Euro-Jobberin und wurde vom Hagenbecker JobCenter hierher dienstverpflichtet. Der Affe Gustav hingegen hat noch bis vor kurzem bei Bernd K. in Phöben als Baustellenleiter gearbeitet. Nun hat Bernd K. sich zur Ruhe gesetzt und somit Gustav zu uns vermittelt, denn er wollte diesen alleinlebenden jungen Burschen in guten Händen wissen.

Die Geschäfte rings um den Baumkronenpfad in der Käthe laufen bestens und im nächsten Frühjahr soll dann auch der ausgebaute Swimmingpool der Krokos und die angrenzende Wasserlandschaft mit einbezogen werden.

 

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