Tim Mälzer, Jamie Oliver und Kollegen

Kochen kann jeder. Jedenfalls mittlerweile. Und piepeinfach ist es auch. Sagt jedenfalls mein Fernseher, und zwar egal, zu welcher Tag- oder Nachtzeit. Auf allen Kanälen brutzelt es aus Pfannen, dampft aus Töpfen, qualmt aus Backöfen. Da gibt es Topfgeldjäger, Lafer, Lichter, lecker, Das Promidinner, Schmeckt nicht gibt’s nicht, Tim Mälzer kocht, Lanz kocht, Schuhbeck alleine oder mit Elmar Wepper und was die Fernsehkanäle sonst noch so hergeben. Alle Protagonisten verklickern uns, wie aus einer platten und dünnen Scheibe Rindfleisch eine perfekte Gourmetroulade wird, wie man dem Chicoree den bitteren Geschmack entzieht, die Weihnachtsgans nach zehnstündigem Aufenthalt im Backofen knusprig und zart auf der Zunge zergeht und wie eine Vinaigrette den Blattsalat verzaubert und dieser Köstlichkeit folgt noch ein standhaftes Soufflee.

Sterneköche lassen uns durchs TV-Schlüsselloch in ihr Allerheiligstes blicken, kreieren extra für uns minimalistisch veranlagte Zuschauer ein Menü vom Allerfeinsten. Sie überzeugen uns, dass das Lammfilet einem Osterlämmchen gehörte, das munter und fröhlich einige Wochen im grünen Gras rumtollte und mit seinen Eltern hinterm Deich eine glückliche Zeit verbrachte.

Aber wer will das alles sehen, wer hat die Zeit dazu? Vielleicht ist das an Tagen, an denen man ans Bett gefesselt ist, um Hexenschuss, Bänderdehnung, grippale Infekte oder ähnliche Unzulänglichkeiten zu kurieren, eine gute Begleiterscheinung. Bei einer ausgewachsenen Magen- und Darmgrippe klappt das schon mal nicht. Das ständige Hin- und Herlaufen zwischen Bett und Keramikabteilung hindert uns an der kontinuierlichen Aufnahmefähigkeit. Wenn die Rennerei dann ein Ende hat, ist man zumeist derart erledigt und konzentriert sich lieber auf Cola, Tee und Salzstangen oder auf gar nichts. Will nur seine Ruhe haben.

Für wen also werden all diese Sendungen produziert? Für Arbeitslose, für Hartz IV-Empfänger, für Rentner? Von denen haben sowieso nur Wenige das notwendige Kleingeld, diese Gerichte mit Gourmetanspruch nachzukochen. Für wen betreibt das Fernsehen diesen Aufwand? Oder sind es nur Pausenfüller, weil den Damen und Herren Intendanten und Redakteuren nichts Besseres einfällt? Oder wollen genau diese Teams hinter den Kulissen tagtäglich und rund um die Uhr einfach nur selbst gut versorgt sein, weil das typische Kantinenessen ihnen zum Halse raushängt? Und irgendwer muss das Gekochte der Küchenchefs schließlich auch verputzen – oder?

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