Von Fröschen und Sümpfen

Wenn man den Sumpf trockenlegen will, darf man nicht Frösche damit beauftragen! Gefällt Ihnen das Zitat auch so gut? Und es passt wie das berühmte Hinterteil auf den noch berühmteren Eimer. Mir ist es erstmalig in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts untergekommen. Otto Graf Lambsdorff hat ihn damals benutzt, und zwar im Zusammenhang mit Journalisten im Umgang mit der politischen Obrigkeit und umgekehrt. Wetten, dass Sie anhand der nachfolgenden Beispiele sehr schnell erkennen werden, wo Sumpfgelände ist und wo die Frösche werkeln?

Nehmen Sie mal die Lobbyisten. Überall sind sie: im Landesparlament, im Bundestag, in den vielen Stadtparlamenten. Sie beraten Politiker, lassen sich von wahlberechtigten Bürgern in die Parlamente wählen. Die meisten kommen aus der Wirtschaft wie z. B. Pharmaindustrie, Stromwirtschaft, Rüstungsindustrie, Bankenwesen. Viele Branchen sind eifrig am Ball und sehr darum bemüht, den berühmten Fuß in die politische Tür zu bekommen. Wenn sie dann mit beiden Beinen fest auf dem Parteiparkett stehen, nehmen sie Einfluss und sind oftmals Diener zweier Herren. Diese Frösche werden niemals einen Sumpf trockenlegen!

Es geht aber auch anders herum. Nämlich wenn Politiker die Nase voll und null Bock auf Wahlkampf, Parlament und Volksvertretung mehr haben, schlichtweg abgewählt oder rausgeschmissen werden und das Rentenalter noch fern ist. Dann klopft Politprofi eben mal bei den Wirtschaftsunternehmen an die Türen, für die das bislang ausgeübte politische Ressort von Interesse sein könnte. Mit einem guten Namen und weiterhin besten Kontakten zur Politik fliegen die Kusshändchen zu und die Euros aufs Konto. Eventuelle Karenzzeiten lassen sich locker überstehen, denn der neue Arbeitgeber zeigt sich auch schon vor Dienstantritt gerne erkenntlich. Na und wenn der das nicht tut, zahlt die Bundesregierung sowieso – ist schließlich gesetzlich geregelt mit dem Überbrückungsgeld. Warum sollte ein solcher Frosch sich also Gedanken über seine feuchte Wiese machen?

Eine weitere Variante ergibt sich, wenn Journalisten auf die andere Seite des Tisches wechseln. Da kommt der eine oder andere Fernseh-, Radiomensch oder Schreiberling schon mal fix in ein total anderes Fahrwasser. Im Klartext heißt das „wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ und „was interessiert mich meine Recherche von gestern“. Ein solcher Wechsel führt keineswegs dazu, dass Frösche aussterben oder gar Sümpfe austrocknen.

Hunderte Berufe und Aufgabengebiete gibt es zweifelsohne, wo die Kollision von beruflicher Vergangenheit und Neuausrichtung des Broterwerbs in Zukunft ausdrücklich erwünscht ist. Wer dieser Meinung ist und davon profitieren möchte, muss diesen Kuhhandel eingehen und sich mit seinem Gewissen auseinandersetzen.

Ebenfalls mag ich auch dieses Zitat: Erfolg besteht darin, dass man genau die Fähigkeiten hat, die derzeit gefragt sind! Da sind ja wohl dann die Frösche in ihren Sümpfen die absoluten Dauerbrenner.

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