Kaum zu glauben, aber leider wahr!

Da kann man sich doch richtig echauffieren, wenn man die Berichte hört, sieht oder liest, die uns derzeit aus den neuen Bundesländern erreichen! Also ich kann das jedenfalls – und nicht zu wenig.

Da gibt es vielerorts regelrecht Hetze gegen Flüchtlinge. Okay, von den Rechten kennt man das seit Jahr und Tag nicht anders. Aber nun sind es auch die normalen Einheimischen, die gegen Nachbarschaft, Flüchtlingshilfe und Unterbringung auf die Barrikaden gehen.

Ja, sind die denn nicht mehr ganz richtig im Kopf? Haben die alle das Leben in der DDR und besonders den Sommer 1989 vergessen?

Wie viele Ossis hatten vom DDR-Regime die Schnauze voll, haben in den Jahren von 1961 bis 1989 Ausreiseanträge gestellt, sind durch Tunnel gekrochen, durch Flüsse geschwommen, über Mauern und Stacheldraht geklettert, haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt, Vater, Mutter und Kinder verlassen, weil sie aus diesem Staat weg wollten. Und was waren die dann zufrieden, wenn sie es geschafft hatten und im Westen ein neues Leben, ohne Schießbefehl, Bespitzelung aber mit freier Meinungsäußerung beginnen konnten. Was waren die happy, als im Sommer 1989 die Ungarn ihre Grenzen öffneten, als die Prager Botschaft die Flüchtlinge der DDR aufnahm und sie unter miserablen Bedingungen auf ihre Einreise nach Westdeutschland warteten.

Tja, wird nun manch einer sagen, waren schließlich unsere Brüder und Schwestern, denn DDR war schließlich auch Deutschland! Geschwistern hilft man, die nimmt man bei sich auf, die bekommen all das, was man selbst hat – oder? Jedenfalls war’s damals für uns Wessis selbstverständlich zu helfen. Auch, als die Mauer dann ein für allemal fiel. Das war der Startschuss für ganz viele DDR-Bürger, ihre bisherige Heimat endgültig zu verlassen und ins gelobte Land und zur D-Mark zu gehen. Der eine oder andere fand sein Glück und Arbeit, ist geblieben oder ging wieder zurück in seine Heimat.

Jetzt frage ich mal: Haben die alle, die diese Zeit und ein Leben in der DDR miterlebt haben, das Erlebte vergessen? Waren nicht auch sie alle mal Flüchtlinge, denen geholfen wurde, und zwar gerne und mit Freude? Haben die alle, die damals von der deutsch-deutschen Gastfreundschaft profitierten, zwischenzeitlich kein Erinnerungsvermögen mehr? Klappt’s nicht mehr mit einem gesunden deja vu?

Warum gehen diese Menschen heute auf die Straße vor die provisorischen Unterkünfte, protestieren gegen die Aufnahme der Flüchtlinge bei uns? Weshalb tun sie das – lautstark und hasserfüllt? Warum bringen sie den Fremden so viel Gegenwehr und Abneigung entgegen? Selbst wenn man mit christlichem Denken und Nächstenliebe nichts am Hut hat, kann man auch den Menschen achten und respektieren – immerhin sind es Menschen, Männer, Frauen und Kinder.

Natürlich ist diese Abwehrszenerie nicht nur in den neuen Bundesländern zu finden, auch in den alten Ländern brodelt es ähnlich intensiv und auch dort sind die Rechten überall dabei.

Vielleicht sollten sich alle mal grundlegend klarmachen, dass jeder von uns, der unsere Landesgrenzen verlässt, dort auch ein Fremder, eben ein Ausländer im anderen Land ist. Schnuppe, ob er im anderen Land arbeitet, Urlaub macht oder nur auf der Durchreise ist!

Oder fragen Sie doch einfach mal die alten Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. Fragen Sie aber bald, warten Sie nicht so lange, denn diese Zeitzeugen der Geschichte wird es schon bald nicht mehr geben! Aber noch sind sie unter uns: In der Familie, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft!

Damals, nach dem zweiten Weltkrieg, als die Länder neu sortiert und Grenzen neu festgelegt wurden. Wie ist es denen ergangen, die vor über siebzig Jahren in Deutschland ein neues Zuhause fanden? Bestimmt waren damals weder die Flüchtlinge noch die Deutschen mit der Situation zufrieden. Aber sie haben sich zusammengerauft und gelernt, miteinander auszukommen und in Eintracht zu leben.

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