Die machen buh und was machst du?

So oder so ähnlich hat man Mutti Angie heute in Heidenau empfangen. Hat ihr natürlich nicht gefallen, aber sie hat’s sich nicht anmerken lassen. Tapfer hat sie den Umstehenden zugewinkt, die lokale Politprominenz gelobt und den fremdenfeindlichen Mob angeprangert.

Kommt ja auch nicht alle Tage vor, dass unsere Bundeskanzlerin von ihren ehemaligen Landsleuten nicht mit freundlichem Gejohle begrüßt wird. Doch wie heißt es so schön: it’s the first time for everything! So auch für Frau Merkel.

Vielleicht hätte sie und andere Politikgrößen sich schon mal vor Wochen des Flüchtlingsthemas annehmen sollen – so aus der Nähe meine ich. Während das politische Berlin genüsslich Ferientage zelebrierte, breitete sich das Problem zum Flächenbrand aus. Überall in Deutschland kommen Heerscharen aus aller Herren Länder zu uns, bitten um Hilfe, Asyl, Essen und Trinken. Städte, Länder und Kommunen sind heillos überfordert und Hilfsorganisationen laufen zu Höchstformen auf. Zeltstädte schießen wie Pilze aus dem Boden. Hilfsbereite Menschen leisten tolle Arbeit, ehrenamtliche Helfer machen Unmögliches möglich. Unzählige Sachspenden, Spielzeug, Kleidung, Wäsche, Bettzeug und tausend andere Dinge werden da gesammelt, wo sie unmittelbar an die Hilfsbedürftigen weitergereicht werden. Ganze Zeltstädte und Containerdörfer entstehen, leer stehende Kasernen werden in Wohnraum umgewandelt.

So sieht es im Sommer 2015 in Deutschland aus, und zwar überall im Land – von Nord bis Süd, von West bis Ost. Und mittendrin pöbeln die brauen Socken und andere, die sich Fremdenhass auf die Fahne geschrieben haben. Überfüllte Notunterkünfte werden von Polizisten bewacht. Angst geht um. Brandanschläge vernichten vorbereitete Aufnahmelager. Da verbrennt nicht nur Mobiliar sondern auch Hoffnung. Hoffnung für viele Heimatsuchende.

Unser großes, reiches Deutschland tickt mindestens zweigeteilt. Die einen, die Fremde nicht wollen und die anderen, die den Fremden helfen.

Und die Politik macht Ferien – zwei Monate Stillstand mit kurzer Unterbrechung für Griechenlandabstimmung. Da kommen die Abgeordneten für teures Geld mal ratzfatz nach Berlin. Flüchtlingspolitik bleibt außen vor. Die Abgeordneten setzen ihren Urlaub fort.

Nach und nach geht die Ferienzeit zu Ende und die derzeit landauf und landab mit Flüchtlingen belegten Turn- und Sporthallen, Gemeinschaftsräume und Klassen in Schulen werden wieder anderweitig gebraucht. Was passiert jetzt mit den dort Untergebrachten? Noch sind Zelte eine Möglichkeit. Aber wie lange noch? Dann kommt der nasse Herbst und der kalte Winter!

Aber immerhin hat die Politik beschlossen, noch im September einen erneuten europäischen Flüchtlingsgipfel abzuhalten! Der wievielte ist das in diesem Jahr? Der letzte fand im Juni statt und danach ist man beruhigt in den Urlaub entfleucht. Weiß eigentlich jemand, wie viel Euro bisher für solche Meetings sinnlos verplempert wurden? Hierfür und für jede Menge Griechenland-Gipfel. Bisher mit dem Ergebnis: außer Spesen nichts gewesen! Vermutlich hätte man das Geld auch besser anlegen können.

Mein Eindruck ist, dass sich viele in unserem Land engagieren und bis an ihre Grenzen gehen, um Flüchtlingen zu helfen. Doch was macht die Politik? Mir scheint, von viel zu wenig, bis nichts – die Bandbreite ist riesengroß. Oder ist mein Eindruck vielleicht falsch…?

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