Krank sein ist nichts für Feiglinge….

…und für arme Schlucker schon gar nicht.

Auch heute gilt noch die alte Volksweisheit: Lieber arm und krank, als reich und gesund!

Man ist krank, geht also zum Doc und da fängt’s schon an! Praxisgebühr ist zwar out, aber dafür sind IGeL-Leistungen voll im Trend. Das sind die individuellen Gesundheitsleistungen, die Ihr Medizinmann und seine geschulten Assistenten für sie bereithalten. Die machen Ihnen das Portemonnaie leichter, dem Arzt die Brieftasche schwerer. Ob diese IGeL helfen? Keine Ahnung, die einen sagen so und die anderen so. Wären sie medizinisch notwendig, würden die Krankenkassen vermutlich den Part des Bezahlens übernommen.

 

Vielleicht kann man diese medizinischen Extras mit den Extras beim Neuwagenkauf vergleichen: Hübschere Radkappen sind gegen Aufpreis zu bekommen, aber das Auto fährt auch ohne sie. Das Standardlenkrad erfüllt ebenso seinen Zweck, wie die Sonderanfertigung für den sportlichen Typ. Ein Schiebedach ist ganz toll, aber auch ohne ist das Vehikel verkehrssicher.

Der Medizinmann tastet hier und testet dort, sucht nach Gründen Ihres Unwohlseins und der Schmerzen, legt seine Stirn in Falten und verkündet seine Diagnose. Diese könnte er natürlich noch präziser treffen, wenn er IGeL anwenden dürfte. Sie geben Ihrem Herzen einen Stoß, überdenken die Finanzen und signalisieren Ihr Einverständnis, in seine Technik zu investieren. Schließlich ist es Ihre Gesundheit – äh Krankheit – und Sie gönnen sich ja sonst nicht, leben sparsam und das ist doch mal eine individuelle Geldausgabe für Sie ganz alleine.

Also, die Diagnose steht fest und nun geht’s an die Therapie. Physiotherapie soll sein und etliches aus der Hexenküche der Pharmaindustrie.

Mit allen Rezepten und Überweisungsschein für einen Spezialisten ausgestattet besuchen Sie den Apotheker Ihres Vertrauens, der Ihnen alle Pillen und Salben zusammenstellt und dann die Rechnung aufmacht. Waaaaassssss? Soviel Zuzahlung? Dafür können Sie locker eine dreitägige Single-Reise in den Spreewald buchen!

Zum Glück ist nichts festgestellt worden, was einen Krankenhausaufenthalt erforderlich macht. Dann hätten Sie noch mehr zu blechen, nämlich zehn Euro pro Tag und das bis zu vier Wochen.

Das Fazit dieser kleinen Betrachtung könnte sein: Wen es krankheitsmäßig erwischt, und zwar über eine längere Zeit, könnte von den Zuzahlungen für Medikamente, Physiotherapie und eventuellen Krankenhausaufenthalt locker auch eine Reise in die Sonne buchen. Malle ist vermutlich genauso teuer und den morschen Knochen tut die Wärme sicherlich gut.

Halt, eine Anmerkung habe ich dann doch noch! Erinnern Sie sich noch an die Abwrackprämie?

Vor etlichen Jahren hat die Bundesregierung zur Belebung der Konjunktur in der Automobilindustrie die Abwrackprämie erfunden. Jeder, der ein altes Auto gegen ein neues getauscht hat, bekam eine stattliche Summe in die Hand gedrückt. Das hat phantastisch geklappt, alle Beteiligten waren begeistert. Sozusagen eine Win-win-Situation.

Auch bei den Krankenkassen gab’s früher mal ein ähnliches Programm. Da wurde nämlich Sterbegeld an die Hinterbliebenen eines Verstorbenen gezahlt. Dieses Konjunkturprogramm für Bestatter und Sarghersteller ist mittlerweile ersatzweise gestrichen.

 

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