In the year twenty five…

Nun haben wir also Silberhochzeit! Ossis und Wessis sind fünfundzwanzig Jahre verheiratet, und zwar am dritten Oktober. Dieser Tag im Herbst 1990 wurde zum offiziellen Festtag aller Deutschen erklärt und seither wird landauf landab jedes Jahr gefeiert was das Zeug hält. Und das mit genauso viel Verlässlichkeit wie Silvester Dinner for one über den Bildschirm flimmert und der Gründonnerstag das Osterfest einläutet.

Ein neuer Volksfeiertag war geboren und dafür hat man den 17. Juni – den bisherigen Tag der Deutschen Einheit – eingestampft. Wir mussten einen sonnigen Sommertag gegen einen Herbsttag mit tiefstehender Sonne eintauschen. Beide Tage sollten im Gedächtnis bleiben. Sowohl der 17. Juni als auch der 3. Oktober sind Schicksalstage fürs deutsche Volk – der erste eher ein Trauertag und der zweite ein Tag der Freude.

Aber jetzt mal zum Silberhochzeitspaar: Wie geht es ihm? Wie fühlt es sich so nach einem Vierteljahrhundert Ehe? Ist das Silberpaar glücklich? Hat es Kinder bekommen, womöglich schon Enkel? Hat es sich gemeinsam was angeschafft und arbeiten beide? Wird die Ehe weitere 25 halten oder knistert’s im Gebälk? Wer von beiden hat eigentlich was in die Ehe eingebracht? Gab es denn irgendeine Art von Mitgift? Viele Fragen, auf die es nur bedingt Antworten gibt – oder?

Ossi-Frauen waren seinerzeit sehr beliebt bei Wessi-Männern und so manch ein westlicher Liebhaber schwärmt noch heute von der sozialistischen Freizügigkeit. Wessi-Männer genossen bei Ossi-Frauen großes Ansehen, denn sie fuhren keine knatternden Trabis und Wartburgs und mit diesen Flitzern und den vollen Tanks wurde die Republik in alle Himmelsrichtungen gemeinsam erkundet. Ossis liebten die Reisefreiheit und die D-Mark und wer genug davon hatte, startete per Flieger in die neue Welt, ans Mittelmeer und über den Atlantik.

Wer kein Geld und keine Zeit hatte, wartete eben auf die blühenden Landschaften, die der Kanzler der deutschen Einheit zur Hochzeit versprochen hatte. Keinem wird es schlechter gehen, vielen aber besser, versprach Helmut Kohl seiner neuen Fangemeinde im sogenannten Beitrittsgebiet. Hat er sein Versprechen gehalten oder hat er sich womöglich nur versprochen?

Nun ja, wenn man dem Fiskus so ins Säcklein schaut, findet sich schon der eine oder andere Schuldschein, der auch die roten Zahlen aufblühen ließ. Und dass, obwohl der Buß- und Bettag abgeschafft und der Soli erfunden wurde. Den blecht jeder Steuerzahler bis heute. Ach, was soll’s, ist schließlich für unsere Brüder und Schwestern! Die hatten doch so viele Jahre nix – außer Bitterfeld, die Ostsee, ihren Sozialismus, die Stasi und Erich Honecker. Man muss auch schließlich mal was abgeben und teilen können!

Außerdem war diese Eheschließlich auch ein Konjunkturprogramm – stimmt’s? Alle unsere Geschwister von drüben wollten nun West-Autos, Möbel von Ikea, Essen, Trinken, Klamotten und tausend andere Dinge aus westlicher Produktion. Somit sprudelten unsere Märkerchen wieder zurück. Doch Bitterfeld und andere Landstriche zu sanieren kostete richtig Geld und war nicht aus der Portokasse des Bundestages zu bezahlen. Dresden ist zum Beispiel fast ausschließlich mit Spenden diverser Geldsäcke restauriert worden und so manch eine andere Stadt ebenfalls. Nicht zu vergessen sind die vielen Mücken, die die EU für das eine oder andere Weltkulturerbe in den Osten transferiert hat. Jedenfalls flossen Milliarden gen Osten und das schon lange vor dem Oder-Hochwasser Ende der neunziger und Anfang der Zweitausender Jahre.

 

Was hat die Eheleute in zweieinhalb Jahrzehnten zusammengeschweißt? Sind Ost und West so innig, dass kein Stück Papier dazwischen passt und sind beide in Liebe verbunden? Oder ist es einfach nur eine Zweckehe? Ja war es 1990 überhaupt eine Liebensheirat? Keine Ahnung, die einen sagen so, die anderen so! Ist jetzt anno 2015 all das zusammengewachsen, was zusammengehört? Und wie verhält es sich mittlerweile mit den Ampelmännchen? Doch das ist ein anderes Thema…..!

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