Die innere Kündigung

Kennst du das Gefühl, innerlich gekündigt zu haben? Zwar hast du es noch nicht ausgesprochen, aber das Gefühl macht sich in dir breit und nichts kannst du dagegen tun. Noch redest du nicht drüber, doch weißt du ganz genau: irgendwann gibt’s nen Knall und du machst deinem Frust Luft!

Die innere Kündigung kann vielfach erfolgen, muss sich nicht zwangsläufig auf den Job beziehen. Und wenn doch? Weil du mit dem neuen Boss nicht kannst, weil die Kollegin befördert wird und nicht du, der Firmenwagen nicht mehr Bestandteil deines Vertrages ist – was dann? Gibst du dir weiterhin Mühe, deine Arbeit bestens zu erledigen? Nee, vermutlich nicht mehr! Du lässt das mit den Überstunden, machst Dienst nach Vorschrift und guckst dir im Smartphone Stellenangebote an. Du suchst nach Neuem, das Alte ist passé.

Oder eine Freundschaft hat sich verändert und ist nicht mehr das, was dir vorher an ihr so wichtig war. Hast du dich verändert, oder sind es deine Gedanken? Hat sich dein Anspruch in eine andere Richtung bewegt? Ist der Mensch, mit dem du noch vor kurzem auf einer Welle warst, unendlich weit entfernt von dir oder du dich von ihm? Dir fällt auf, dass die Telefonate kürzer werden, E-Mails seltener sind, Verabredungen wegen angeblicher Zeitnot verschoben werden und du lieber den Abend zuhause vor dem Fernseher verbringst.

Auch eine Liebesbeziehung pfeift manchmal auf dem letzten Loch. Da macht sich ein Grummeln im Bauch breit und das Kribbeln, das vorher genau diesen Platz einnahm, duckt sich einfach weg. Es ist abhanden gekommen! Unterhaltsame Besuche beim Italiener um die Ecke und gemeinsame Kinobesuche gibt’s nicht mehr, Blumen stehen im Blumenkasten und nicht auf dem Esstisch und Kerzen strahlen nur noch an Weihnachten in der Kirche.

Ich habe übrigens auch innerlich gekündigt – meine Liebe gilt nicht mehr der ARD! Das Programm ist nur noch ganz selten meins, meistens gefällt es mir nicht, mein Frust wächst stetig und meine Kritikpunkte nehmen überhand.

Schon seit langer Zeit nervt es mich, dass die ARD mit ihrem ersten Programm nicht mehr verlässlich ist. Hat eigentlich außer mir noch jemand bemerkt, dass Talkpausen von Plasberg und Maischberger auch außerhalb der dreimonatigen Sommerpause stattfinden? Zum Beispiel im Herbst und auch ein längerer Talkstopp über Weihnachten ist mittlerweile total normal. Warum – frage ich mal in die Runde? Hat das Erste mit so etlichen Programmsegmenten das deutsche Schulferiensystem übernommen? Ist es nicht schon schlimm genug, dass die aktuellen Sendungen, wie Monitor, Report Mainz und Baden-Baden, Kontraste und wie sie alle heißen, im Laufe der Jahre jede Menge Sendezeit opfern mussten? Wofür eigentlich?

Vielleicht hätten mich neulich die Herren Marmor und Buhrow aufgeklärt, wenn ich vor lauter Langeweile bei dieser ARD-Rechtfertigungssendung nicht eingeschlafen wäre. Aber so ist das nun mal mit hätte, hätte Fahrradkette wie uns Peer Steinbrück schon verklickert hat. Vielleicht habe ich die Chance vermasselt mir erklären zu lassen, warum die erste Reihe doch die beste für mich ist.

Möglicherweise haben sich die Zwei auch über die vielen Wiederholungen ausgelassen und erläutert, warum Sport mittlerweile einen so immensen Zeitanteil im Programm einnimmt. Interessieren würde es mich ebenfalls, warum ein Brennpunkt, der unmittelbar nach der Tagesschau gesendet wird, fast immer genau das wiederholt, was soeben in der zehn-Minuten-Berichterstattung in der Nachrichtensendung schon gezeigt wurde.

Das habe ich nun davon: Mein Grummeln in der Magengrube wird immer lauter und gut informiert und bestens unterhalten fühle ich mich im Ersten überhaupt nicht mehr.

Irgendwie fühle ich mich, wie seinerzeit ein DDR-Urlauber sich in Ungarn gefühlt haben muss: Nur mit DDR-Mark in der Tasche und so ganz ohne entsprechende Devisen. Da blieb dir auch nichts anderes übrig, als zu den devisenstarken Feriengästen in den pompösen Hotels und auf ihre lecker bestückten Teller zu schielen!

Na ja, zum Glück ist unsere TV-Landschaft so riesig, da haben eben auch andere Mütter schöne Töchter….!