Was haben Helmut Schmidt, der Heilige Martin und der Karneval gemeinsam?

Na zum Glück nichts! Am 11. November gedenken wir dem Heiligen Martin und landauf landab gibt’s Gänsebratenessen und Laternenumzüge. In den Hochburgen der fünften Jahreszeit fängt am 11.11. das närrische Treiben an und währt bis zum Aschermittwoch, an dem dann alles vorbei ist. Und da unser Altkanzler Helmut Schmidt ein Mann von Welt und kein Spielverderber ist, hat er schon am 10.11. unsere Welt verlassen! Seine Fan-Gemeinde trauert um ihren Hamburger Jung mit dem lockeren Mundwerk, um den außergewöhnlichen Politiker, den verehrten Staatsmann. Mit 96 Lebensjahren war er wie kaum ein anderer noch immer der Welt-Erklär-Bär und nicht nur die Fernsehzuschauer genossen seine One-Man-Talk-Shows bei Sandra Maischberger oder das Frage-und-Antwort-Spiel zwischen ihm und Giovanni die Lorenzo, geschweige denn seine Leserschaft seine Beiträge in der Zeit. Er wird uns allen fehlen.

Auch der Zigarettenindustrie! Er qualmte schneller, als der Tabak wachsen konnte und selbst im TV-Studio der ARD verbreitete er blauen Dunst, obwohl das Rauchen schon seit Jahren verpönt ist.

Schmidt war im Februar 1962 Innensenator der Hansestadt, als die große Sturmflut Hamburg und die Bevölkerung bedrohte. Er hatte Mut zu Entscheidungen, übernahm Verantwortung und leitete völlig selbstständig Rettungsmaßnahmen an. Er fragte nicht lange, er ordnete einfach an und war Lebensretter für jede Menge Menschen, die sich sonst vermutlich der Blanke Hans geholt hätte.

Er war ein bemerkenswerter Mensch, der sich traute und der den oft zitierten Arsch in der Hose hatte. Diese Spezies, der Helmut Schmidt angehörte, stirb langsam aber sicher aus. Giovanni die Lorenzo hat ihn so beschrieben: Er hat die Grenze vom Politiker zum Staatsmann überschritten.

Danke Helmut Schmidt, dass ich Sie erleben durfte – ohne Sie ist die Welt nun ein wenig ärmer. Ach ja, da hab ich noch was: Bitte meine herzliche Empfehlung an Ihre Gattin!