Schatz, wollen wir noch ein Glas Wein trinken?

Sowas Blödes – nun ist der Tatort vorbei und dann noch einer aus Münster. Glücklicherweise werden die mit zuverlässiger Regelmäßigkeit wiederholt!

Schatz, wollen wir noch ein Glas Wein trinken, fragt ihr Mann. Jetzt noch? Hundemüde ist sie von all dem Gewirbel tagsüber. Ins Bett will sie und sonst gar nichts. Nee, lass mal – mein Bettzipfel ruft nach mir!

Ihr fallen die Augen zu und vorm Einschlafen geht ihr durch den Kopf, dass Weihnachten und Feiertage nicht mehr ihr Ding sind. Warum ist sie eigentlich immer die Doofe, die kocht, macht und tut? Kann nicht mal irgendwer den ganzen Zirkus übernehmen und sie setzt sich an den gedeckten Tisch neben den geschmückten Baum? Und dann erstmal der Logierbesuch! Alleine das Frühstück – bis da alles fertig ist, das dauert!

Was ist, wenn sie tot umfällt? Na ja, muss vielleicht nicht gleich so endgültig sein…aber streiken – das wärs doch! Arbeitsniederlegung – für seine Rechte streiken, meckern nach Herzenslust, auf die Barrikaden gehen, mehr Geld, weniger Arbeit. Machen die Franzmänner derzeit auch – aber hilft das zuhause in den eigenen vier Wänden? Was sagt sie der Familie: Ich hab die Nase voll, macht euren Mist alleine, immer bin ich das Huhn, an dem alles hängenbleibt – und jetzt wird gestreikt!

Das klappt niemals. Die rufen höchstens nen Arzt: Geben sie ihr was, Herr Doktor, damit der Anfall fix vorübergeht – morgen ist schließlich Heiligabend!

Und schon sinkt sie in Morpheus Arme…

Was ist mit dem Kartoffelsalat los – der schmeckt ja nicht die Bohne! Ist doch nicht schlimm, dann machste eben einen neuen; bis zum Abend ist noch Zeit!

Wo sind die Kekse? Diese Büchse hier ist total leer! Sind da etwa nur noch gekaufte?

Auf dem bunten Teller fehlen bunte Kringel und die Schnaps-Trüffel, kannst du die noch rauflegen, ich weiß nicht wo du sie versteckt hast.

Soll der Baum eigentlich so bleiben? Sieht ein bisschen sparsam aus…und wackeln tut er auch. Wenn Oma Gabi mit ihrer Ungeschicklichkeit oder Struppi, wenn er sich freut und mit seinem Schwanz – na du kennst das ja!

Sag mal, könntest du die Geschenke für mich einwickeln; ich hab kein Talent dazu. Das ist total lieb von dir. Nee, Papier und Bänder habe ich nicht – bestimmt hast du noch was übrig!

Hätte fast vergessen dir die Maronen zu geben, die passen doch vorzüglich zur Ente. Habe sie auch noch nicht zubereitet, da hat ja jeder so sein eigenes Rezept und ich wollte dir nicht zwischenfunken…

Wie sieht‘s mit Bier aus, ist genug im Kühlschrank? Und Weißwein? Opa Günter trinkt neuerdings nur noch alkoholfreies Bier – hast du es eingekauft?

Gibt’s auch Putenwürstchen und die mit ohne Fleisch?

Wegen mir musst du so ein Theater nicht machen, ich esse zum Glück alles…wo sind eigentlich meine Kalbfleischwürstchen vom Bio-Fleischer?

Grässlich die ewigen Mäkelfuzzys!

Solche Gedanken musst du an mich nicht verschwenden, ich esse und trinke alles, was auf den Tisch kommt. Kannst du mir einen koffeinfreien Cappuccino machen, ich vertrage die Bitterstoffe nicht und Laktose freie Milch wäre auch gut – du weißt ja, meine Galle!

Ist das Bio-Honig und die selbstgemachte Marmelade aus dem Sommer? 

Liebling, wo haben wir denn noch gleich die Butter?

Wie jetzt, wir haben nur die mit Salz? Schmeckt doch aber nicht mit Honig!

Wer klingelt denn so früh am Heiligabend an der Tür?

Ach Sie sind’s Frau Schmitt…na klar habe ich Eier für sie; wie viele brauchen sie denn? Ein halbes Pfund Butter geht auch und Mehl dürfte kein Problem sein und wenn’s sein muss, stehen Ihnen natürlich auch Mixer mit Knethaken und Backofen zur Verfügung………

Mein Gott, was haben Sie denn an Heiligabend für miese Laune?

Bauchweh? Auch das noch! Okay ich mach mal nen Kamillentee…okay, dann eben Pfeffermine!

Warst du mit dem Hund schon draußen? Der benimmt sich so komisch und bevor er auf den Teppich pinkelt…

Irgendwas stimmt mit der Saftpresse nicht, die spritzt die halbe Küche voll – ach ich seh schon, da fehlt der Deckel… Schatz, wo ist der denn?

Den spanischen Schinken musst du schneiden, ich kann nicht so dünn! Wie lange brauchen die Eier – habe vergessen die Uhr zu stellen!

Was, du hast weder Zähne geputzt noch geduscht? Zum Frisör hättest du auch mal gehen können; irgendwie sitzen deine Haare nicht!

Auf der Terrasse hat die Lichterkette nen Wackelkontakt – wo sind denn die Ersatzbirnen?

Wie jetzt, das Toilettenpapier ist alle? Da ist doch noch ein ganzes Paket mit zehn Rollen! Guck doch mal oben auf den Schrank, da hab ich es jedenfalls hingelegt!

Wir wollen nachher alle nen Spaziergang bis runter zum Wasser machen – du kommst doch mit, oder? Frische Luft und Beine vertreten tut dir bestimmt gut; kommst ja auch nicht raus und Bewegung ist nun mal das A und O! Für heute Abend ist doch sowieso alles fertig, wie ich dich kenne, und den Frühstückstisch abräumen, Betten machen und Aufräumen geht doch ratzfatz…

Warum sagst du nichts? Willst du etwa nicht mit? Aber zur Kirche kommst du doch mit oder etwa nicht? Nun sei mal bloß keine Spaßbremse…bisschen Runterkommen muss sein und da ist doch so ein Heiligabendgottesdienst genau das Richtige!

Was ist denn los, warum schreist du? Ihr Mann nimmt sie in den Arm. Hast wohl schlecht geträumt, meine Kleine! Schlaf ruhig weiter, alles ist gut!

Klitschnass ist sie und aufs Klo muss sie auch. Wie spät ist es denn und warum ist sie überhaupt wach, ist doch noch stockdunkel draußen!

Langsam erinnert sie sich: sie hat geträumt. Familie, Weihnachten, Frühstück, Baum und so.

Wenn ich jetzt aufbleibe, geht’s ihr durch den Kopf, dann könnte ich ganz in Ruhe den Kartoffelsalat fertigmachen, den frischen O-Saft auspressen, schon mal beim Bäcker das bestellte Brot abholen und Struppi käme auch zum Beinheben. Wo ist der eigentlich? Ach wie niedlich, der liegt zusammengerollt in seinem Körbchen und schnarcht.

Sie krabbelt wieder ins Bett, kuschelt sich an ihren Liebsten an und schläft wohlig ein, denn bis zum Heiligabend sind es noch ein paar Tage… 21.12.2019

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