Null Bock aufs Fest der Feste – so ist Anni eben!

Anni hat die Nase voll von Weihnachten und dem ganzen Drumherum. Sie ist mittlerweile zum bekennenden Weihnachtsmuffel mutiert. Weder Adventskranz noch Tannenbaum, Kerzenschmuck, Lametta, bunte Kugeln noch andere Deko geben Anlass, dass in ihrer gemütlichen Wohnung auch nur eine Spur von Weihnachten herrscht.

Wenn man Umfragen glaubt, dann befindet sich Anni in allerbester Gesellschaft, denn an die siebzehn Millionen Menschen in Deutschland haben null Bock auf das Fest der Feste.

Früher war sie süchtig nach allem, was mit diesem christlichen Fest im Zusammenhang stand. Wochen vorher plante und organisierte Anni. Julklapp, Wichteln, basteln, backen, kochen, Baum kaufen und schmücken bereiteten ihr viel Freude. Familie und Freunde einzuladen, Köstlichkeiten vorzubereiten, alle vom Feinsten zu bewirten und zu beschenken war genau ihr Ding, und zwar für etliche Jahrzehnte.

Nun ist sie fast siebzig Jahre alt und bereits im dreizehnten Jahr trocken – nicht mehr süchtig nach all diesem Konsum, Glitzerkram, Stress und Überfluss an Besuch, Kulinarik und Geschenken.

Weihnachtstage sind für Anni und ihren herzallerliebsten Freund Martin trotzdem wertvolle Tage. Sie genießen die Ruhe, gutes Essen, ein leckeres Tröpfchen, ihre Gespräche, die eine oder andere Siesta. Selbst Fernsehen gehört zum geruhsamen Feiertagsprogramm der beiden und ganz besonders hat es ihnen Loriots Familie Hoppenstedt, der kleine Lord und manch andere alte Schnulze angetan.

Anni freut sich, dass sie dem alten Modell mit viel Jubel, Trubel abgeschworen hat. Sie muss seither auch keine Zerreißproben aushalten und persönliche Animositäten ihrer Gäste ertragen, keine Tempotücher zum Tränentrocknen verteilen und nicht zum Schiedsrichter bei Streitigkeiten werden. Hitzige Debatten sind passé, übermäßiger Alkoholgenuss ist Schnee von gestern und Mäkeleien an ihren lukullischen Gaumenfreuden ebenfalls.

Das Beste an Annis neuem Modell ist die Tatsache, dass auch Martin ein praktizierender Weihnachtsmuffel geworden ist. Dafür liebt sie ihn von ganzem Herzen. Martin liebt die Ruhe, die Gemeinsamkeit mit seiner Anni und man kann schlussfolgern, dass sich da zwei gesucht und gefunden haben – denen übrigens Gäste an zirka 360 Tagen im Jahr herzlich willkommen sind.

Doch eine Kleinigkeit hat Anni sich sozusagen als kleines Weihnachts-Ersatzprogramm ausgeguckt und das beginnt etwa Mitte September: Dann bevölkern nämlich peu á peu Spekulatius und Konsorten die Supermarktregale…

23.12.2019

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