Polizeiruf und Ostalgie – einfach märchenhaft!

Nostalgie, Kult, Vergangenheit, Erinnerung, Sehnsucht nach Vergangenem – wir mögen es, mal mehr, mal weniger, aber ganz besonders an besinnlichen Feiertagen. Die Adventszeit, Weihnachten und die Tage zwischen den Jahren ist genau diese Zeit, wo sich Brauchtum und Althergebrachtes gut anfühlt.

Weihnachten und Zwischen Frühstück und Gänsebraten passt zusammen wie Rotkohl und Gänsebraten. Beides war am ersten Weihnachtsfeiertag für Ost-Hausfrauen ein Muss. Mit dieser Fernsehshow unterhielten Heinz Quermann und Co. ihre Zuschauer mit viel Musik, Humor und Artistik. Sogar der real-existierenden Sozialismus, den sie mit all seinen Auswirkungen auf Land und Bevölkerung kräftig auf die Schippe nahmen, kam nicht zu kurz.

Aber nicht nur das zeichnete die Macher aus. Beispielsweise erinnerte der Moderator die mit Kittelschürze bekleidete Hausfrau in der heimischen guten Stube immer rechtzeitig daran, wann das im Ofen brutzelnde Federvieh begossen oder umgedreht werden sollte und die Kartoffeln aufgesetzt werden mussten. Schließlich sollte das traditionelle Weihnachtsessen pünktlich auf dem Tisch stehen – selbstverständlich nach Ende dieser Fernsehübertragung – die übrigens nicht nur in der DDR beliebt war. Auch im Westen, wo DDR-Fernsehen empfangen werden konnte, hatte das Quermann-Team am ersten Weihnachtsfeiertag vormittags eine ziemlich große Fangemeinde. Liebhaber schalten auch heute noch gerne den MDR am ersten Feiertag ein, der mit Wiederholungen dieser Kultsendung echte Festtags-Ostalgie aufrechterhält.

Ein weiterer Renner im DDR-Weihnachts-Fernseh-Programm waren Märchenfilme. Viele stammten aus eigener DEFA-Produktion, andere aus kommunistischen Bruderländern und da standen Sowjetunion und Tschechoslowakei an erster Stelle.

Von A wie Aladin und die Wunderlampe über V wie Väterchen Frost bis hin zu Z Zwei Haselnüsse für Aschenbrödel gab es nichts Märchenhaftes, was große und kleine Zuschauer nicht zu Tränen rührte oder ihnen kalte Schauer übern Buckel jagte. Auch diese Filme fanden grenzenlosen Zuspruch und werden in der ARD und allen Dritten im Advent und ganz besonders an den Feiertagen in Endlosschleifen zuzüglich westdeutscher Verfilmungen gezeigt.

Mit den Märchenfilmen ist es wie mit „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ – der eifrige Vielgucker kennt so ziemlich alle Folgen auswendig und betet sie im Traum fehlerfrei rauf und runter!

Selbst wenn der Fernsehkonsument diese Tatsache einesteils beklagt, so liebt er andererseits Wiederholungen. Wiederholungen sind gute alte Bekannte und im wahrsten Sinne des Wortes sind Wiederholungstäter am Werk! Der Zuschauer kennt sie, er weiß, was sie tun, wie sie handeln.

Wiederholungen haben so was Vertrautes und vertraut ist nach Hause kommen, alte Bekannte und Freunde treffen.

26.12.2019

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