Das bisschen, was noch kommt, trägt der Hund aufm Schwanz weg!

So drückte Oma Else es immer aus, wenn der alte Abreißkalender spindeldünn am Haken hing und der neue dick aufgeplustert in Hab-Acht-Stellung lauerte. 

Dem Herrgott sei es getrommelt, gepfiffen, geblasen und lauthals jubiliert: Das mit den Feiertagen, der Völlerei, der kalorienreichen Ernährung, des unendlichen Verpackungsmülls und des nicht enden wollenden Smalltalks im Familienkreis hat sich für dieses Jahr erledigt – so gut wie jedenfalls!

Fast alle Messen sind gesungen, das neu erworbene Hüftgold hat sich sein festes Plätzchen gesucht und die über die Feiertage aufgeheizten Gemüter sind wieder auf Normaltemperatur runtergekühlt.

Auch das Fernsehprogramm normalisiert sich. Der Kleine Lord, Aschenputtel und Konsorten haben den Platz für Jahresrückblicke aller Art und den Bundespräsidenten geräumt und der reicht nach seiner Ansprache an Land und Leute den Staffelstab an die Bundeskanzlerin weiter.

In Geschäften werden Berliner, Böller, bunte Hütchen, Girlanden und all das verkauft, was der bekennende Silvester-Freak zum Jahresabschluss benötigt. Der letzte Tag des Jahres ist angebrochen. Fondue, Fisch, Raclette, Feuerzangenbowle laden zum Verzehr, Blubberwasser und anderes Geistvolles auch, Wachbleiben bis in die Puppen ist Pflicht, ohrenbetäubend-umweltunfreundliche Knallerei ebenfalls und dann ist das neue Jahr aus der Taufe gehoben!

Viele bejubeln den Jahreswechsel, andere bedauern ihn… doch wat den eenen sin Uhl, is den annern sin Nachtigall!

Das alte Jahr hat seinen Rückzug angetreten. Es neigt sich seinem Ende zu und es verneigt sich vor uns, die es tapfer ertragen, vom Feinsten genossen oder sonst was haben.

Was war das für ein Jahr? War es eines von der Sorte, vor dem wir den Hut ziehen und ihm zum Abschied Dankbarkeit entgegenbringen? War es gut, schlecht, mittelprächtig oder ein So-lala-Jahr, an das wir uns in ein paar Wochen schon nicht mehr erinnern?

Darauf findet sicherlich jeder seine ganz persönliche Antwort.

Wer allerdings nicht selbst Rückschau halten möchte, kann sich der vielen Rückblicke bedienen, die zu diversen Themen in sämtlichen Medien angeboten werden. Klatsch- und Tratsch-Spezialisten, Wirtschafts-, Klima- und Wissenschaftsexperten, Kirchenfürsten und Menschen wie Otto-Normal-Allwissend, professionellen Klugscheißer und Miesmacher stehen mit ihren Statements zur Verfügung.

Wer zurückblickt, schaut auch gerne nach vorne. Zukunft heißt das Zauberwort. Die fängt am Silvesterabend mit Bleigießen und anderem Spökenkram an. Auch Jahreshoroskope liegen hoch im Kurs, denn Ausblicke ins Neue und Ungewisse haben was Geheimnisvolles, rufen aber auch potentielle Angstmacher auf den Plan.

Wem das alles nicht gefällt, der sollte zum Jahreswechsel zwölf Weintraben essen – mit jedem Gongschlag ab Mitternacht eine. Das verheißt Glück, Gesundheit, Geld und Liebe – darauf schwören zumindest die Spanier! 29.12.2019

Foto: ani-bilder.de

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