Von verbalen Umweltsäuen und echt patenten Omas

Junge Menschen müssen Dampf ablassen, sich artikulieren, aufmüpfig sein, sie sind die Zukunft und sie sollen Demokratie lernen. Wo könnten sie das besser, als draußen im richtigen Leben.

Auf den Straßen der 1968er Jahre demonstrierten junge Menschen gegen das Establishment und lauthals gegen den Muff von tausend Jahren unter den Talaren. Sie opponierten gegen die Meinung der Eltern und vieler Erwachsener, gingen für Frieden, Freiheit und politische Mitbestimmung auf die Barrikaden. Und das war auch gut so – es veränderte die Welt!

Heute ist es wieder so. Greta Thunberg hat den Stein ins Rollen gebracht und immer wieder freitags gehen junge Menschen statt zur Schule auf die Straße. Auch sie machen lauthals auf sich aufmerksam, diesmal für Klima- und Umweltschutz, Erderwärmung – eben für die Themen unserer Zeit. Das ist gut so und verändert hoffentlich auch die Welt!

Omas gab’s damals – Omas gibt’s heute. Sie wurden gebraucht, geliebt und besungen. Damals z. B. von einem kleinen holländischen Steppke namens Heintje und das ging so:

„Oma, so lieb, Oma, so nett, ach, wenn ich dich, meine Oma, nicht hätt‘, wär’s auf der Welt so traurig und leer, denn eine Oma wie dich gibt’s nie mehr!“

Zugegeben, ein bisschen schmalzig der Knirps mit seiner glockenklaren Stimme! Doch wem das nicht gefiel, schmetterte eben die Schnulze von der Oma, die im Hühnerstall Motorrad fährt, aber ansonsten eine ganz patente Frau ist.

Beide Songs passen so nicht mehr in unsere Welt, dachte sich vermutlich der WDR und machte sich ans Werk, die sprichwörtlichen zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Nämlich Oma und Umwelt!

Mittlerweile ist das neue Oma-Umwelt-Lied durch seinen diffamierenden Text der Aufreger schlechthin. Der alte Gassenhauer von Oma mit Motorrad im Hühnerstall wurde mit neuem Text wiederbelebt, mit dem alle Großmütter beleidigt und verunglimpft werden. Musikalisch übrigens locker und fröhlich interpretiert vom WDR-Kinderchor.

In der Regel ist es so, dass der, der die Musike bestellt, sie auch zahlt. In diesem Fall ist es aber nicht der WDR, also der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Hier blecht der Gebührenzahler – also so ziemlich alle im Land, inklusive der Omas übrigens!

Da kann man doch wenigstens mal ein paar Fragen stellen – oder?

Wer hat eigentlich diesen unterirdischen Text verzapft? 

Wer hat ihn gelesen, für gut befunden und durchgewunken, ihn aufzunehmen und zu veröffentlichen?

Ist denn niemandem aufgefallen, dass dieser Text weder ulkig noch witzig ist, sondern einfach nur im höchsten Maße sau-peinlich?

Die Chorknaben und –Mädchen haben diesen blamablen Text vermutlich nicht selbst geschrieben!

Und hat der Chorleiter eigentlich diesen Text ohne mit der Wimper zu zucken mit den Kids eingeübt?

Haben die Kids denn nicht mit ihren Eltern oder Großeltern über dieses Chorprojekt gesprochen?

Ziemlich viele Fragen stehen unbeantwortet im Raum.

Die Fragen, die bislang beantwortet wurden, wurden überwiegend mit der Begründung „ist eben Satire und Satire darf das – und nun lacht einfach darüber!“ abgetan. Das ist keine Satire – das ist Laterne ganz unten!

So empfanden viele damals auch das Schmähgedicht von Jan Böhmermann über den türkischen Staatspräsidenten Erdogan. Das war ebenfalls unwürdig. Böhmermann hingegen sprach ebenfalls von Satire.

Vielleicht noch ein Tipp an Tom Buhrow und Co.: Hören Sie sich doch einfach mal den Song von Daliah Lavi aus den frühen Neunzigern an. Da finden Sie sicherlich noch ein paar hilfreiche Tipps für kreative Antworten: „Wer hat mein Lied so zerstört? Ich wollte singen, was ich niemals sagen kann, doch darauf kam es nicht an. Wer hat mein Lied so zerstört? Wer hat den Sinn so verdreht? Jedes Wort legten sie falsch aus und dafür gab’s Applaus. Wer hat mein Lied so zerstört?“

Trotzdem: Es brodelt im WDR deswegen. Und das soll es mal gefälligst auch weiterhin in dieser Sache tun. Wie wäre es denn dort mit einem – in der Politik doch so beliebten -Untersuchungs-Ausschuss? Der kostet zwar Zeit und Geld, könnte aber bei der richtigen Herangehensweise auch gut und gerne was Reinigendes und Grundsätzliches bringen – und wenn’s rollende Köpfe sind. Oder einfach nur mal die Trennung von Spreu und Weizen!

Ach ja, da ist noch was: Was ist eigentlich mit dem Video der singenden Kinder? Es ist zwar offiziell aus dem Netz genommen, aber reicht diese Aussage? Wird nicht regelmäßig mit erhobenem Zeigefinger darauf hingewiesen, dass all das, was einmal im Netz ist, nicht einfach so mit einem Mausklick verschwindet? Immerhin geht’s hier um Minderjährige, die so schlimmstenfalls zu Freiwild werden könnten…

05.01.2020

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