Bock auf blauen Sack mit dickem Bauch

So, nun ist er weg und springt mir nicht zwischen den Beinen herum! Feinschliff und Deko nach Möbelumstellung heißt die Aufgabe, auf die ich voll Bock habe. Endlich haben wir das geschafft und nachdem er die großen, schweren Action-Nummern erledigt hat, macht mein Schatz einen Städtetrip ins Land der Tulpenzüchter, Käse- und Matjes-Esser und ich kann loslegen!

Teppiche liegen da, wo sie sollen, Möbel stehen an Ort und Stelle und ich stehe wie Rudi Ratlos im Wohnzimmer rum und weiß nicht, wo ich anfangen soll. Das geht ja gut los!

Na gut, dann verkrümle ich mich erst mal ins Bad. Da sind Duschvorhänge und Badematten niegelnagelneu, denn auch hier lautet das Motto „unser Bad soll schöner werden“. Also ran ans Werk! Mannomann, was ist der kleine Schrank doch schwer, frage ich mich und warum steht da so viel Zeug drin? Ich rücke ihn mit vollem Inhalt auf die andere Seite. Geschafft! Er steht an Ort und Stelle und da sieht er gut aus. Ich weniger und hocke mich zum Verschnaufen aufs geschlossene Klo.

Fenster auf, Frischluft tut gut. Radio und Musik, nicht verkehrt. Weiter geht’s und ich komme gut voran. Warum brauchen zwei Männekens eigentlich so viele Handtücher? Bei zwanzig Stück höre ich auf zu zählen.

Nur noch die Pflanzen abduschen, neue Übertöpfe, neue Standorte – dann die Badematten. Die große hier, nee, besser die ganz große vors Waschbecken, die zweite bis zum Regal ran und die kleinere, wo soll die denn bloß hin? Mist, eine ist scheinbar zu viel! Warum habe ich das neulich vorm Kaufen nicht vernünftig ausgemessen? Schatzi würde jetzt sagen…..nee, den Gedanken denk ich jetzt mal nicht weiter!

So, alles sauber, neues Outfit, neue Deko für rund ums stille Örtchen ist perfekt und sieht gut aus. Hat ganz schön lange gedauert, denn die Uhr tickt bereits gen Mittag! Mein Rücken tut weh, als wär es abends zum Beginn der Tagesschau.

Warum ruft eigentlich niemand an? Eine kleine Quatschpause wäre optimal. Sonst melden sich doch immer Furz und Feuerstein ohne Rücksicht, ob man Zeit hat oder nicht. Warum jetzt nicht? Ich hocke im Wohnzimmer im Stressless-Sessel, bin genauso ratlos wie vorhin und höre die Stimme aus dem Radio.

„Hier ist Ihr NDR mit dem WWW – das wilde Wunschwochenende! Wir spielen die Musik, die Sie sich gewünscht haben. Guten Tag Frau Meiser. Ihr Favorit trägt den Titel „Lebt denn der alte Holzmichel noch“ und nun erzählen Sie mal Ihre Geschichte dazu!“ Der Moderator hält die Klappe, Frau Meiser redet vom Malle-Urlaub, dem Bayernzelt, der Musike und wie sie ihr Karlchen kennengelernt hat. Der liegt mittlerweile schon auf dem städtischen Friedhof doch die Jahre mit Karlchen waren toll und das Lied vom Holzmichel hört sie noch immer so gerne.

Jaja, der alte Holzmichel und Karlchen – Gott hab sie beide selig…….

Nun aber hurtig. Bilder von den Wänden, Blumen eingesammelt, abduschen und während die trocknen ist das Bücherregal dran. Wer hat das eigentlich angeschafft? Und dann noch so groß und so hoch, mit so vielen Büchern bestückt. Haptik und Bücher sind out, sind was von früher. Na, unsere Erben werden uns verfluchen…. Himmelherrgott nochmal, erst vor einem Jahr haben wir aufgeräumt und ausgemistet. Warum sind sie nicht weniger geworden oder vermehren Bücher sich von alleine? Und der andere Klimbim – braucht das noch einer oder kann das weg?

Der blaue Müllsack bekommt Bauch und geht schon ein bisschen in die Knie. Im Radio singt Heino das Lied von der schwarzen Barbara und an der Tür klingelt es. Der DHL-Bote gibt was für die Nachbarin ab. Das Teil ist ziemlich unhandlich und steht mir im Flur voll im Weg. Stimmt gar nicht, sagt mein freundliches Ego, steht überhaupt nicht im Weg – hier machst du doch im Moment gar nichts! Mein anderes Ich sieht das völlig anders…

Also weiter im Takt! Das Regal ist fertig, nun mal ran an den Glasschrank mit gefühlt 500 Gläsern, Vasen, Schalen, Schüsseln und anderem Zeug aus Glas und Kristall. Alles muss raus! Ist zwar kein Winter-Schluss-Verkauf, dafür aber höchste Zeit, um alles mal durchzuspülen.

Genau in dem Moment als ich das voll beladene Gläsertablett klirrend gen Geschirrspüler schleppe, klingelt das Telefon. Ja doch, ich komme gleich! Unaufhörlich bimmelt es. Warum geht der AB nicht an? So ein Mist aber auch – bloß nicht wackeln, sonst kommt auf dem Tablett noch was ins Schlingern und – endlich, ich habe es geschafft, alles heil und gut in der Küche gelandet.

Das Telefon schweigt, sagt keinen Pieps mehr und der AB war auch nicht tätig, der Anrufer hatte seine Nummer unterdrückt. Wie gerne hätte ich mal ne Runde geschnackt, mit wem auch immer – nur so zur Ablenkung! Dann war es wohl nicht wichtig und was gut ist kommt wieder – denke ich und widme mich wieder den Gläsern. Müssen wir die wirklich alle behalten? Vielleicht sollte ich etliche ins Nirwana befördern…Niemand braucht so viele Trinkgefäße, es sei denn, man ist eine Kneipe!

Warum macht der Geschirrspüler eigentlich so merkwürdige Geräusche? Der hört sich an, als würde ein Asthmatiker zu schnell eine Treppe rauflaufen. Gib jetzt bitte nicht deinen Geist auf, beschwöre ich ihn stumm und betrachte ihn mit Argusaugen. Das würde mir gerade noch fehlen! Er astet weiter, ich auch.

Draußen schüttet es wie aus Eimern, es stürmt, die Temperaturen sind im zweistelligen Bereich. Kein Wetter für Ende Januar! Ach Petrus alter Knabe, bist auch nicht mehr das, was du mal warst…

Das Telefon klingelt wieder. Diesmal sitze ich auf dem Klo. Vielleicht geht jetzt der AB ran, wozu ist der eigentlich da? Der hat doch sonst nichts zu tun…

Das Händewaschen verschiebe ich auf später und hoffe, den Anrufer noch zu erwischen, doch es tutet nur noch. Na dann eben nicht!

Die große Schrankschublade ist mein nächstes Ziel. Hier haben jede Menge Servietten – original verpackt in allen erdenklichen Farben, Größen, mit und ohne Muster – und unzählige Tischsets ihre Heimat gefunden.

Wenn mein Schatzi und ich täglich pro Nase zwei Papierservietten davon verbrauchen, nicht allzu verschwenderisch mit dem Vorrat umgehen, dann könnten wir uns zum hundertsten Geburtstag neue anschaffen…was einem doch so für Gedanken durch den Kopf gehen!

Zum Wegwerfen sind sie jedenfalls viel zu schade, zum Aufheben eigentlich viel zu viele, aber sie fressen ja kein Brot und uns auch nicht die Haare vom Kopf. Drum sortiere ich sie und die Sets nach Größe und Farbe und schließe das Schubfach.  

Jetzt habe ich nicht nur Hunger und Durst, sondern auch die Nase voll – zumindest für heute. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag und dann geht’s ausgeschlafen und ausgeruht wieder frisch ans Werk.

Meinem Schatz tun vom Rumlaufen die Füße weh, erzählt er mir am Telefon. Gefrühstückt hat er gut, ich nicht, Wetter ist bei ihm schön, hier fieselt es unangenehm vor sich hin. Im Radio ist immer noch wünsch dir was am Laufen und mein Muskelkater würde so gerne gepflegt werden wollen. Das kommt aber nicht in die Tüte. Jetzt geht’s dem Rest an den Kragen!

Der Rest. Hört sich so endlich an, ist es aber nicht. Jede Menge Kleinkram – besser gesagt: Fine-Tuning – lässt die Zeit wie im Fluge vergehen. Welcher Pflanzentopf soll welchen Übertopf bekommen, wo soll die Pflanze stehen, bekommt sie dort auch genug Licht – auf Vieles ist zu achten.

Das sperrige Päckchen hat Frau Nachbarin bereits heute früh um 8:30 Uhr abgeholt. Keine christliche Zeit, wie ich finde! Unter normalen Umständen hätten Schatzi und ich noch tief und fest geschlummert. Bestimmt hat sie geahnt, dass ich alleine bin und fand es äußerst witzig, mich so früh aus dem Bett zu werfen!

Staubwischen und Staubsaugen – Pustekuchen, das lass ich, ich mach erst mal Deko. Nochmal ein bisschen umstellen, Stühle rücken, hier und da was hin- und herschieben und dann sind die Wandbilder dran. Nur ranhalten, was wohin passt – dübeln macht Schatzi, wenn er wieder im Lande ist.

Elke ruft an. „Habe schon mehrfach bei euch versucht. Will nämlich heute zum Kaffee kommen und was mit euch bequatschen.“ Ich sage ihr ab, sie ist beleidigt und findet, dass man sonntags Zeit haben muss. Da räumt man nicht auf. Und schon gar nicht, wenn man das im Laufe der Woche machen könnte. So was würde sie niemals tun….

Muss sie ja auch nicht!

17 Uhr ist es. Mein Schatzi geht Matjes essen, sagt er. Hundemüde falle ich in mein Bett und als ich aufwache, flimmert Inspektor Barnaby übern Bildschirm und löst mit britischem Humor wieder mal einen Mordfall in Midsummer.

04.02.2020

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.