Liebes Tagebuch: Corona und die dicken Knobi-Knollen

Also heute muss ich dir mal was verklickern, was mir voll auf den Keks geht. Kannst du dich noch an Schweinepest, Vogelgrippe, Ehec-Verdacht in Bienenbüttel, Würmer im Fisch, Keime im Trinkwasser und tausend andere menschenbedrohliche Geschichten erinnern? Genau! Alles haben wir gut und die meisten von uns auch lebend überstanden und viele Grippearten obendrein – mit oder ohne Impfung.

Nun aber herrscht Panik wegen Corona.

Corona ist ein Virus, also sozusagen die „gelbe Gefahr“ aus China und vor der wurde schließlich schon immer gewarnt. Endlich, nach vielen Jahrzehnten, haben die kleinwüchsigen, dunkelhaarigen Schlitzaugen aus dem Reich der Mitte eine „Waffe“ gefunden, uns in der westlichen Welt Angst zu machen. Wären wir noch in den achtziger Jahren, könnte Falco seinen Knaller-Hit umdichten: „Dadideldum, das Corona-Virus geht um“!

Die Chinesen waren uns schon immer suspekt, unheimlich, ein Dorn im Auge. An deren Gesichter kann man nicht erkennen, ob sie gut oder böse sind, was hinter ihrer Stirn vorgeht, ob sie uns mögen oder nicht. Und was die erst so alles für Kampfsportarten auf dem Kasten haben…!

Weißt du eigentlich, dass ich die dicken Knoblauchknollen aus China echt mag? Die sind so schön schnell geschält, geschnitten und man hat nicht das spanische Klein-klein-Gefummel. Ist mein Basmatireis auch aus China? Nee, sagt meine Nachbarin, der stammt ursprünglich aus Afghanistan aber auch vom Himalaja. Ob der nun besser als echter chinesischer Reis ist? Wer weiß das schon. Immerhin ist in Afghanistan seit Jahrzehnten Krieg und da ist vielleicht auch nicht gerade alles vitaminreich und gesund, was die aus dem Boden ziehen.

Sogar Nashi-Birnen, Erdbeeren, Apfelsaft, Brot-und Brötchenteiglinge, allerlei Gewürze und selbst Schoko-Adventskalender zur Weihnachtzeit kommen aus dem Reich der Mitte zu uns.

Wenn ich so recht drüber nachdenke, ist dieser üppige Handel mit Lebensmitteln und allem anderen Zeug, was der europäische Markt dort so preiswert und reichhaltig produzieren lässt, nicht wirklich verwunderlich. Warum könnten sich sonst so viele Chinesen vom Wohlstand streicheln lassen, wenn wir nicht ihre Produkte kaufen würden? Außerdem will gut eine Milliarde Menschen auch beschäftigt sein…

So, und nun haben wir den Salat! Corona ist unter uns, macht Otto-Normal-Verbraucher krank und panisch, erschreckt unsere Gesellschaft in ihren Grundmauern, bringt Regierungen in Erklärungsnot oder treibt sie in die schweigsame Ecke und Experten beschert es riesige Probleme.

Schöner Mist sage ich dir!

Reisen werden storniert, Kreuzfahrtschiffe in Quarantäne gesteckt, zum Chinesen an der Ecke zum All-you-can-eat-Büffet geht kaum einer was essen. Die halbe Welt ist hysterisch und weißt du was, das ist nur der Anfang, keiner weiß, was noch kommt!

Soll ich dir mal sagen, an was mich diese Hysterie erinnert? Kannst du dich noch an die Tage und Wochen nach Maueröffnung im November 1989 erinnern? Eine aufregende Zeit war das! Damals kamen tausende und abertausende von Ossis erstmalig z. B. zu uns nach West-Berlin. Sie fielen quasi wie Heuschrecken über die Lebensmittelsupermärkte her, kauften so ziemlich alles, was angeboten wurde. Manch einer von uns Wessis stand vor leeren Regalen und wohl dem, der eine ordentliche Vorratswirtschaft betrieb!

Ich sag dir mal: Genauso war’s vorhin bei Lidl! So manches Regal war leer, egal ob Brot, Wurst, Käse, Mehl, Zucker, Puddingpulver und selbst bei Getränken sah es ziemlich mau aus!

Frag mich bloß nicht, wie das weitergehen soll. Ich glaube, da haben nicht mal Experten aus dem Logistikwesen kluge Antworten drauf.

Na, wie willst du denn auch Menschen bremsen, die aufgrund der gesamten medialen Panikmache animiert werden, Hamsterkäufe zu tätigen?

Gestern Abend hat übrigens ein Professor K. von der Uni in Niederschönpupnilleken allen TV-Zuschauern in epischer Breite verklickert, wie man sich die Hände richtig wäscht und was man sonst noch so für Fisimatenten anstellen soll, um aus der Corona-Nummer nach Möglichkeit unbeschadet rauszukommen. Neus war für mich nicht wirklich dabei und Wasser und Seife sind mir nicht fremd!

Nichts für ungut, liebes Tagebuch, aber das musste ich einfach mal loswerden!

29.02.2020

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