Nanu, ist denn schon wieder Silvester?

Angela Merkel brachte so manchen zum Staunen, der es sich am Mittwochabend in Erwartung einer unterhaltsamen Rate-Show oder eines alten Tatortes vorm Fernseher gemütlich machte.

Nicht jeder der viel redet, hat aber auch wirklich was zu sagen!

Erstaunlich, wer sich derzeit so alles Gehör verschafft, um verbal viel heiße Luft rund um Corona rauszublasen!

Was ist richtig, was unnötig, muss dieses sein, kann jenes wegfallen – wer weiß das schon zum augenblicklichen Zeitpunkt. Niemand hat eine Antwort, nichts Genaues weiß man nicht!  Leidenschaftliche Skat- und Fußballspieler antworten vermutlich lapidar mit „hinten kackt die Ente“ und wahrscheinlich haben sie damit recht, zumal es eher Vermutungen gibt als fundiertes Wissen rings um das Virus.

Jedenfalls haben wir in diesem Jahr einen anderen Start in den Frühling, als üblich. Die Frühlingsgefühle, die landauf, landab erwachen, müssen leider im Keim erstickt werden. Auf den steigenden Hormonspiegel von Männlein und Weiblein kann unter dem Einfluss von Corona keine Rücksicht genommen werden. Wer also in diesem Lenz auf Freiersfüßen wandeln wollte, sollte sich das verkneifen oder besser online auf entsprechenden Portalen unterwegs sein. Und wenn’s da schnackelt – was dann? Flirten ohne ansehen, anfassen, ohne Händchenhalten, Küsschen hier und da ist voll doof. Ebenso alleine durch Feld und Wald spazieren, Sterne ansehen oder total unromantisch alleine auf einer Parkbank sitzend in den Mond zu gucken.

Das Frühlingserwachen, das Läuten der Osterglocken und warme Sonnenstrahlen sind momentan was für Einzelgänger, aber auch nur, solange es keine weiteren Einschränkungen oder sogar Ausgangssperren gibt, mit denen man rechnen sollte.

Versammeln Sie sich nicht, bleiben Sie zuhause“, warnen Wissenschaftler, die das Virus im Visier haben, es mit Argusaugen beobachten und ihm nach dem Leben trachten. Der Charité-Professor prognostiziert sogar, „dass es wirklich schlimm kommen wird“ und „die Aussichten wirklich verzweifelnd sind.“

Also keine besonders guten Ausgangspunkte für gesellige Gesellen, Club-, Kneipen- und Restaurant-Freaks, Frischluftliebhaber, Sonnenanbeter und viele andere, denen soziale Kontakte außerhalb der eigenen vier Wände das Salz in der Lebenssuppe sind. Stubenhocker, Heimwerker, Pantoffelkino-Junkies und andere hobbymäßige Couch-Potatoes hingegen werden diesen Aufruf begrüßen, Stichsäge und Werkbank aus dem Keller holen und die gebunkerten Chips-Tüten aus dem Vorratsschrank.

Bedauerlicherweise fällt die Feier zum 18. Geburtstag wegen Corona genauso ins Wasser, wie die Konfirmation, Oma Lottes und Opa Erwins goldene Hochzeit, Ostereiersuchen im Park zwischen fröhlichen Menschen und gelben Narzissen ebenfalls – zumindest dann, wenn man dieser Viruserkrankung aus dem Weg gehen möchte.

Restaurants, Hotels, Pensionen, Handwerksbetriebe und viele andere Geschäfte wie Frisöre, Baumärkte und Zoofachgeschäfte müssen schließen, Badeanstalten, Kirchen und Kitas machen dicht, Schulen auch. Über vielen Existenzen kreist der Pleitegeier. Mit einem Schlag ist unser doch sonst so freibestimmtes, modernes und vielfach hektisches Leben anders, als zuvor. Es ist ruhiger, runtergefahrener, eingeschränkter als üblich. Entschleunigung nennt man das wohl – und die gilt nun zumindest für einen Teil der Bevölkerung.

Dafür müssen andere Mitmenschen aber umso intensiver in die Hände spucken, um unser Gemeinwesen am Laufen zu halten. Dazu gehören ganz viele und sicherlich nicht nur die, die in medizinischen Berufen und im Lebensmittelbereich tätig sind, sondern auch unsere Politiker. Also zumindest die, die Regierungs- und Entscheidungsbefugnis haben – die müssen sich nun trauen, zu bestimmen! Kluge Reden zu halten, reicht nicht und nur im Konjunktiv zu sprechen schon gar nicht. Jetzt sind die Regierenden gefragt, die Arsch in der Hose und Mumm in den Knochen haben und die mit weiterführenden Ideen dazu beitragen, diese ernste Krise zum Wohle der Menschen und der Wirtschaft im Lande zu bewältigen.

Und deswegen war es vielleicht auch wichtig, dass Angela Merkel letzten Mittwoch statt „Täter am Tatort“ oder „wer weiß denn sowas“ in Wort und Bild übern Monitor flimmerte und allen an den Fernsehgeräten zeigte, dass sie nicht nur Silvester die besorgte Landes-Mutti ist – zumindest versuchte sie, diesen Eindruck zu erwecken!

21.03.2020

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