Oh, hätt‘ ich meiner Mutter doch geglaubt!

Oh, hätt‘ ich meiner Mutter doch geglaubt!

Dann würde ich nun meine Hightech-Nähmaschine rausholen und in die Mund- und Nasenschutzproduktion einsteigen. Oder geschickt mit Nadel, Faden und Fingerhut brauchbare Stoffreste zu nützlichem Corona-Schutz fürs Gesicht umarbeiten.

Tja, aber ich habe Muttern nun mal nicht geglaubt!

Wie oft hat sie mich geradezu angefleht, mal den Umgang mit Stick-, Strick-, Steck-, Näh-, Stopf- und sonstigen Nadeln wenigstens zu probieren. Zum einen sei es wichtig für später, wenn ich mal Ehefrau und Mutter bin. Außerdem kann man tolle Sachen selbst herstellen und zum anderen ist Selbstgenähtes individuell und sieht obendrein noch gut aus, versuchte sie immer wieder, mich zu überzeugen.

Meine Handarbeitslehrerin, Fräulein Strumski, schloss sich der Meinung meiner Mama bedingungslos mit ähnlichen Argumenten an, doch auch ihr gab ich einen Korb. Fräulein Strumski zuliebe hätte ich diese Fingerfertigkeiten schon gar nicht erlernen wollen und dazu trugen unter anderem ihre selbstgestrickten Pullover, gehäkelten Jacken und Schals bei und ihre Strümpfe waren wohl auch so was wie Marke Eigenbau.

Werkunterricht in der Schule war mein Ding. Da wurde Praktisches hergestellt, was – wenn es einem gut gelang – vorzeigbar, verwendbar oder sogar zum Verschenken geeignet war. Mit Holz, Nägeln, Leim, Hammer und Säge umzugehen, hatte mir mein Papa ohnehin schon beigebracht, der war nämlich Tischlermeister. Und in der Werkstatt von Opa Franz, der als Schlossermeister sein täglich Brot verdiente, hatte ich andere Materialien kennengelernt und die Kunst, etwas aus ihnen zu machen.

Aber diese Fähigkeiten sind für Mund-Nase-Schutzmasken nicht geeignet, zumal Masken aus Holz oder geschmiedete Helme derzeit nicht der Bringer sind!

Immerhin haben wir Corona und es gilt Maskenpflicht in den Öffis und beim Einkaufen und wenn ich auf meine Mama gehört hätte, dann könnte ich jetzt….

Okay! Geht nun aber nicht, weil ich zum Nähen zu doof bin!

Also bleibt mir nur, teure Schutztücher für Mund und Nase mit zwei Stück Strippe für die Ohren dran bei Herrn Rossmann, seinen Kollegen oder in einer der vielen Apotheken zu kaufen.

Würde ich gerne tun, doch meist sind sie „leider gerade vergriffen“ oder die Finanzierung einer solchen Anschaffung nur durch die Aufnahme eines Hausfrauenkredites machbar!

Und nun? Weder Öffis benutzen noch einkaufen gehen? Kann nicht wirklich die Lösung sein!

Da kommt mir die Idee, eine liebe Bekannte anzurufen, die aus gegebenem Anlass für ihre Kinder, Enkelkinder und andere liebe Leute Mund- und Nasenschutz eifrig in Heimarbeit anfertigt, und zwar aus den Unterhosen ihres Göttergatten!

(Sind wohl die etwas älteren Buchsen, die ohne Corona vermutlich bei der Caritas oder den Flüchtlingen gelandet wären…) Wie dem auch sein, nun erfüllen sie eine andere wichtige Aufgabe!

Das Gute an diesem Material ist: es ist wasch- und wiederverwendbar, farbecht und es hat sich sowohl von vorneherein als auch hinterrücks bestens bewährt. Was können ihm da schon ein paar Corona-Viren anhaben?

26.04.2020

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