Wir haben echt Bock…

Nee, nicht so, wie Sie vielleicht denken – den Bock haben wir öfter…

Aber um den geht’s auch gar nicht!

Endlich mal wieder auswärts essen! Schon beim Frühstück läuft uns beiden bei diesem Gedanken das Wasser im Mund zusammen und wir übertrumpfen uns mit leckeren Ideen, wonach es uns gelüstet und was wir in den letzten Wochen kulinarisch vermissten.

Besonders freue ich mich, endlich mal nicht selbst Hand anlegen zu müssen – hab ich seit Corona ziemlich oft getan.

Zunächst einen schönen Kaffee in unserer Lieblings-Kaffeerösterei, dann vielleicht eine Maischolle im Fischrestaurant unseres Vertrauens, oder eine Currywurst mit Pommes im Restaurant am Golfplatz, danach noch ein Eis beim besten Italiener in town und später ein schönes Bierchen im Biergarten unter den hohen Bäumen mit Blick aufs Wasser!

Mein Mann und ich dachten kein bisschen an unsere gnadenlos ehrliche Personenwaage, wir aalten uns genüsslich bei dem Gedanken, Altgewohntes nach dieser langen Corona-Pause wieder ganz neu zu entdecken.

Eine Stunde später schnappt die Haustür hinter uns ins Schloss, wir machen uns auf die Strümpfe, lecker essen zu gehen! „Haaaalt!“ rufe ich, „dreh um, wir haben unsere Masken vergessen!“ Gesagt getan, dann geht’s endgültig los.

Zunächst zur Kaffeerösterei. Leider ist nur Kaffee To Go machbar, Restaurant und Terrasse sind tabu – also gemütliches Kaffeetrinken nicht drin! Drum lassen wir unsere mitgebrachten Kaffeebecher (zur Freude des Schwedenmädels Greta!) füllen, setzen uns ins Auto und genießen das leckere Getränk.

Weiter geht’s zum Fisch-Restaurant. Da ist alles im Dornröschenschlaf und auf dem Schild „Dienstag Ruhetag“ haben diverse Vögel ihre Hinterlassenschaften raufgekleckert, und zwar in frisch und angetrocknet. „Schöne Schiete“ mault mein Mann – recht hat er! Warum haben die noch nicht geöffnet? Keine Info, kein Nix, kein Garnix! Haben sie scheinbar nicht nötig, die feinen Herren und Damen Gastwirte!

Bevor wir weiterfahren, statten wir der einen oder anderen Website einen virtuellen Besuch ab und müssen enttäuscht feststellen, dass viele Restaurantbetreiber von Kommunikation mit dem Gast nichts halten. Nicht selten finden wir unter dem Menüpunkt „Aktuelles“ Neuigkeiten aus den Jahren 2018 und 2019. Na toll…

Wir sind sicher, dass wir mit dem Golf-Club-Restaurant mehr Glück haben, denn Currywurst mit Pommes geht immer, ist außerdem saumäßig dekadent und passt absolut gut zur Golf-Schickeria! Auf dem Parkplatz stehen etliche Autos, schon mal ein gutes Zeichen. Bei dem tollen Wetter wird gegolft, was das Zeug hält und das lässt uns auf ungesunde Fritten & Co. hoffen. Doch auch hier haben wir Pech und stehen vor verschlossener Restauranttür. Per Klick auf die Homepage erfahren wir, dass der Außer-Haus-Verkauf mit dem 05.05.2020 eingestellt wurde, also vor vierzehn Tagen – und was ist heute? Wie lange bleibt diese Küche noch kalt? Wir fragen einen Golfer, der zuckt unwissend mit den Schultern und geht stirnrunzelnd weiter.

„Wollen wir zur Eisdiele fahren?“

„Nee, hab keinen Bock! Wer weiß, was da los ist!“ knurrt mein Liebster beim Einsteigen ins Auto. „Und das mit dem Biergarten direkt am Wasser kannste dir auch klemmen, die haben nämlich neulich Insolvenz angemeldet!“

„Und was ist mit dem Laden da hinten gegenüber vom großen Park?“

„Die fangen gerade erst an, ein neues Konzept zu entwickeln. Bis die wieder Gäste bewirten, steht der Sankt-Nimmerleins-Tag im Kalender!“

Eine Weile später sitzen wir auf einer Bank, schauen aufs leise plätschernde Wasser, beobachten Angler, die übrigens vorbildlich Abstand halten. Möwen fliegen fröhlich kreischend hin und her, stürzen sich ins Wasser und die eine oder andere taucht mit nem Fisch im Schnabel wieder auf. Macht satt und schmeckt vermutlich köstlich. Neidisch wünschen wir den Flattermännern guten Appetit!

Mit knurrendem Magen landen wir zuhause. Glücklicherweise liegen im Kühlschrank Wiener Würstchen. Die sollten in die Kartoffelsuppe. Wir machen sie warm, stippen sie in Senf und essen eine Butterstulle dazu.

Mit einem Ohr lausche ich der ARD-Corona-Sondersendung, in der es um die große Schar der Pleitegeier geht, die über dem Gastronomiegewerbe kreist. Eine echt bedauernswerte Branche, berichtet der Reporter. Wie gerne würden die armen Köche wieder ihren Löffel schwingen, aber man lässt sie ja bedauerlicherweise nicht, drum brauchen sie großzügige Finanzspritzen, heißt es.

Was für ein blödes Gequatsche – unsere Erlebnisse von heute, sprechen ne andere Sprache!

Morgen habe ich wieder Bock, selber zu kochen.

19.05.2020

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.