Ist ja der Hammer!

Der kleine Baum auf unserer Wiese ist ungefähr anderthalb Meter hoch, astmäßig knubbelig-verzweigt und, obwohl die Eisheiligen längst vorbei sind, noch immer ohne Blattwerk. Seit Jahr und Tag ist er offensichtlich ein begehrter Treffpunkt einiger Grün- und Buntspechte, die ganzjährig mal alleine, zu zweit und auch zu viert oder fünft um ihn und auf ihm herumhüpfen.

In diesem Jahr ist das kleine Bäumchen allerdings noch so kahl, wie die Glatze von Opa Günter, obwohl bereits die letzte Dekade des Mai angebrochen ist.

Seit Wochen bekommt das Bäumchen schon Besuch von seinen gefiederten Freunden, die es ziemlich erstaunt und ratlos angucken. Ratlos und erstaunt vermutlich deshalb, weil er noch immer oben ohne rumsteht und nichts Grünes aus seinen knorrigen Ästen sprießt, obwohl alle großen Brüder ringsherum blattmäßig bereits komplett gen Himmel ragen.

Nur auf der Wiese rumlaufen, ist nichts für Spechte und um diese Jahreszeit schon gar nicht. Da will doch ein Specht, der auf sich hält, seiner Liebsten was bieten und dazu gehört schließlich auch das Hämmern am Baumstamm unterm grünen Blätterdach.

Selbst wenn sich das ein bisschen behämmert anhört, so ist es doch für jede Specht-Dame nun mal das Nonplusultra und ausschlaggebend, welcher „Klopfer“ für sie der absolute Hammer ist. Das Klopfen muss nämlich stark und kräftig in ihren Ohren klingen. Nur wer mit seinem Geklopfe überzeugt, darf mit ihr für Nachwuchs sorgen und die Brut gemeinsam aufziehen. Drum setzen sich die Damen – meist stundenlang – dezent versteckt ins Blattwerk umstehender Bäume und lauschen dem Concerto Grosso der Specht-Herren, um genau ihren Favoriten zu finden.

Die absoluten „Stars“ unter den Spechten sind die, die mindestens 10.000mal pro Tag mit dem Schnabel laut und kräftig draufhauen.

Nur wer so fit ist, hat Chancen in der Damenwelt und gilt als unumstrittener Klitschko unter diesen Vögeln und dem werfen sich die Ladies gerne ans Gefieder. Allerdings weiß der Glückselige das anfangs gar nicht so richtig zu würdigen, denn er hat durch das dauernde Hämmern eine Gehirnerschütterung abbekommen, die es erst einmal zu kurieren gilt. Doch dann kann er sich mit jedem Federkiel der Auserwählten und den schönen Dingen zuwenden.

In Mitteldeutschland leben sieben verschiedene Spechtarten, die man auch locker an ihrem Getrommel erkennen kann, sagen zumindest Experten.

Eine Spezies, die in Deutschland beheimatet ist, trägt den Namen „Wendehals“, allerdings soll der trauriger Weise vom Aussterben bedroht sein.

Bei Spechtens ist es übrigens nicht üblich, zu trillern oder gar zu zwitschern. Ihre Lieblingsspeise sind Käferlarven, die Junior bereits im Kindesalter lernt, mit der Zunge aufzuspießen. Sein Sozialverhalten ist nicht sonderlich ausgeprägt. Wer mit keinem Partner die Baumhöhle teilt, schlägt sich eben als Single durchs Leben, zumal größere Gruppen auch nicht so sein Ding sind.

Ach ja, nun raten Sie zum Schluss mal, wie sein Lieblingslied heißt:

If I had a hammer, I’d hammer in the morning, I’d hammer in the evening, all over this land ……. 21.05.2020

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