Die DDR, vom Ostgeld und den Aldi-Tüten

Noch hieß die Deutsche Demokratische Republik DDR, noch zahlte man dort mit Münzen, die mich immer an Kindertage und meinen alten Kaufmannsladen inklusive Spielgeld erinnerten.

Wenn man das Hartgeld in die Spree warf, schwamm es oben und man konnte Pfennig und Mark wieder rausfischen, sagten böse Zungen. Konnte man mit der D-Mark nicht – die war ratzfatz auf nimmer Wiedersehen abgetaucht!

Ostgeld erinnerte mich aber auch an Besuche in Ost-Berlin, wenn mich meine Eltern mit nach drüben zu den Verwandten nahmen. Den Eintritt in die DDR und ihre Hauptstadt musste man sich nämlich „erkaufen“ und das nannte man Zwangsumtausch. Da die DDR unter chronischer Geldknappheit litt, scheffelte sie liebend gerne überall, wo es machbar war, Devisen. Haupteinnahmequellen war die Transitstrecke und die Besuchermassen an den Grenzübergangsstellen, die nicht nur zu Fest- und Feiertagen hoch waren.

Unsereins konnte mit dem eingetauschten Ostgeld rein gar nichts anfangen. Denn unser deutsch-deutscher Nachbar betrieb erfolgreich seine Mangelwirtschaft und wo was fehlt kann man auch nichts kaufen. Somit blieb dieser Zwangsumtausch bei den Menschen, die man besuchte und die freuten sich über eine außerplanmäßige Budgetaufstockung. Sozusagen ein kleiner Bonus noch obendrauf auf die Mitbringsel, die der westliche Gast ohnehin in schweren und vollen Tüten mitbrachte. Plastiktüten waren übrigens immer der Knaller und manchmal begehrter als das, was in ihnen steckte. Werbeaufdrucke am liebsten von Aldi oder vom KaDeWe sowie von Hertie und Woolworth war für meine Ost-Cousinen das Größte überhaupt. 

Das mit dem DDR-Geld änderte sich im Sommer 1990. Ossis wollten die D-Mark -Reisefreiheit hatten sie schon seit dem 9.11.1989. Doch Reisefreiheit mit Ostgeld war sinnlos; drum musste unbedingt die D-Mark her.

Endlich, am 01. Juli war’s dann soweit! Nachts rollten jede Menge gepanzerte und gut bewachte Geldtransporter von hüben nach drüben, um Banken und Sparkassen in Ost-Berlin und der Zone die neue Währung zu bringen.

Nun durfte jeder Ossi Geld umtauschen und das taten sie ohne Ende! Die Schlangen vor den Geldinstituten wollten in den ersten Julitagen gar nicht abreißen. Die meisten DDR-Bürger hatten echt viel Knete unterm Kopfkissen gebunkert oder das dick und rund gemästete Sparschwein geplündert, um endlich die lang ersehnte D-Mark im Portemonnaie zu haben. Manch eine Bank, die morgens um neun Uhr öffnete, war eine Stunde später wegen Geldmangel wieder geschlossen und bis Nachschub kam, dauerte es.

Das störte aber niemanden, zumal langes Warten und Anstehen Ossis nix ausmachte – das kannten sie aus ihrem Arbeiter- und Bauernstaat. Ohne Anstehen gab’s keine Bananen, Apfelsinen oder was HO, Kaufhalle und Konsum sonst noch an Raritäten anbot. Ein aufmerksamer DDR-Bürger stellte sich immer mit in die Reihe der Wartenden, denn mit viel Glück konnte er dort vielleicht was erstehen, was nicht alltäglich war.

Viele von „drüben“ tauschten ihre alten Scheine – zum Ärger der Einheimischen – in West-Berlin um, was zur Folge hatte, dass West-Berliner nur schwerlich an Geld kamen.

Aber die überfüllten Bankschalter und die meist leeren Geldautomaten waren nicht alles…

Fortsetzung folgt!

26.06.2020

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