Als die Maus ihren Geist aufgab

Irgendwann funktionierte sie nur noch von kaum bis gar nicht. Mühsam war’s, mit ihr zu arbeiten. Wie man sich an so ein wuselig übers Pad flutschende Etwas doch gewöhnen kann! Hätte ich niemals gedacht, aber die Tatsache, dass meine kabellose Computermaus ihren Geist aufgegeben hat, hat mich echt getroffen. Irgendwie führte mich das in die Hilflosigkeit. Denn zu allem Übel funktionierten die eingebauten Cursor-Tasten blöderweise auch nicht! Rien ne va plus – nichts geht mehr!

Da meine technisch hochbegabte bessere Hälfte leider im Ausland weilte, gab es keine kurzfristige Abhilfe. Er ist immer derjenige, der unmittelbar zur Problembeseitigung beiträgt, wenn’s irgendwo, irgendwie zwickt und kneift und auch, wenn eine kleine Maus auf dem letzten Loch piepst. Dann ist er sofort zur Stelle, wackelt am Stecker oder findet den Fehler im Herz des Programms. Das eine neue Batterie Wunder wirken kann, hatte ich mir gemerkt, war aber diesmal leider nicht der Knackpunkt.

Kreuzworträtselraten online konnte ich mir abschminken, das Surfen auf meinen Lieblingsseiten ebenfalls. Na und die vielen guten Ideen, um Geschichten zu schreiben, konnte ich auch knicken. Natürlich hätte ich mir Block und Bleistift schnappen und per Hand literarisch aktiv werden können. Macht mir auf diesem Wege aber keinen Spaß! Korrigieren, recherchieren – womöglich mit dem großen Brockhaus im Rücken – geht ohne Maus nun mal nicht!

Glücklicherweise war das Wetter spitzenmäßig und ich verbrachte viel Zeit auf der Terrasse und kam meiner alten Leidenschaft des Rätselratens nach.

Zunächst zottelte ich den ziemlich eingestaubten Stehordner aus der hintersten Ecke des Billy-Regals hervor. Darin bewahrte ich alte Rätselhefte auf. Zu meiner Verblüffung fand ich jede Menge „Ungeratenes“ zurückreichend bis ins Jahr 2012! Nun war ich gut beschäftigt, knobelte an kniffligen Fragen herum, bastelte Silbenrätsel zusammen und freute mich über jede erratene Lebensweisheit kluger Menschen.

So auch über den berühmten Sokrates-Satz „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ Den hatte der damals, also schlappe 400 Jahre vor Christus, mal locker rausgehauen, als es ihm vor Gericht an den Kragen ging. Und noch heute, fast zweieinhalbtausend Jahre später, ist der noch in aller Munde, sowohl Sokrates als auch seine Feststellung! Und gerade beim Rätselraten weiß man echt genau, was den ollen Griechen umtrieb, dieses geflügelte Wort in die Welt zu setzen.

Warum fällt mir eigentlich nicht mal so ein Spruch ein, der sich über Jahrhunderte durch die Geschichte und Literatur schlängelt, den Generationen nach mir noch immer benutzen? Na ja, was nicht ist, kann ja noch werden!

Angela Merkel ist schließlich auch einer eingefallen. Sie sagte ganz lapidar drei Worte: „Wir schaffen das“, und zwar vor fünf Jahren. Ob sie sich mit diesem Satz zum damaligen Flüchtlingsdebakel wohl in deutsche Geschichtsbücher katapultiert hat? Meinen Segen hat sie, doch dann bitte auch mit dem Fakt, dass sie ohne die Hilfe der Bevölkerung nichts geschafft hätte. Vielleicht erklärt sie auch bei der Gelegenheit dann gleich mal, wen sie mit WIR und DAS eigentlich gemeint hat. Immerhin ist sie eine kluge Frau, die allemal weiß, was sie weiß!

Bei mir weckte die Kanzlerin mit diesen Worten jedenfalls ein Bataillon von Fragezeichen im Oberstübchen, zumal mir andere Sätze berühmter Personen wesentlich schlüssiger und verständlicher erschienen.

Otto von Bismarck stellte treffenderweise fest: Es wird niemals so viel gelogen, wie vor einer Wahl, während des Krieges und nach der Jagd!

Erich Honecker glaubte wiederum daran: Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf!

Ich bin ein Berliner verkündete der amerikanisch Präsident John F. Kennedy vom Balkon des Rathaus Schöneberg in Berlin und man glaubte ihm.

Roman Herzog sprach mit mahnender Stimme von einem Ruck, der durch Deutschland gehen muss.

Alles tolle Sätze und kein bisschen missverständlich – so einer müsste mir mal einfallen …

Mein Mann ist zwischenzeitlich wieder aus der Ferne zurück und hat ein agiles Mäuschen angeschlossen, das flink seine Aufgaben erfüllt. Jetzt klappt’s auch wieder mit dem Schreiben und vielleicht sogar mit einem supertollen, geschichtsträchtigen Satz…!

Mal abwarten und Tee trinken – ist ja auch so einer, aber leider auch nicht von mir….

02.09.2020

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