Wie ein Hund ohne Schwanz!

Tisch decken für Zwei – also Teller, Messer, Tassen und was sonst so dazu gehört, eben alles doppelt. So macht man’s, so ist es üblich, so mag man es. Ist zwar alles Routine, aber wenn’s anders ist, fehlt was.

Kennen Sie sicherlich: Irgendwie ist alles anders als sonst, wenn der fehlt, der die andere Hälfte ausmacht! Vor allem dann, wenn man weiß, er ist weder auf Dienstreise noch auf fröhlicher Männertour, sondern im Krankenhaus.

Bei Krankenhaus wird‘s einem ohnehin voll mulmig. In der Vergangenheit waren es nur die Krankenhauskeime, bis dann vor Monaten noch das Corona-Virus hinzukam. Pflegepersonal ist überfordert, Verpflegung lässt zu wünschen übrig, so dass diese Etablissements generell nicht zu den Wohlfühl-Aufenthaltsorten gehören.

Man ist also getrennt, weil’s notwendig ist und nicht, weil man Bock draufhat!

Normalerweise ist es ganz schön, mal nicht zu kochen, sich Küchenarbeit mit viel Geschnippel und Zubereitung und allem Drum und Dran zu verkneifen. Aber wenn der Liebste in der nach Karbol und Desinfektionsmittel riechenden Location weilt, nicht wirklich.

Da treibt einen doch eher die Sorge um, ob die andere Hälfte auch gut versorgt wird, und zwar nicht nur in Richtung Kulinarik für Leib und Seele. Selbstverständlich soll vorrangig kompetent und optimal der Grund des Aufenthaltes angepackt und professionell behandelt werden.

Operation heute, oder morgen, nichts Genaues weiß noch keiner. Den endlosen Untersuchungen folgt banges Warten. Die Zeit zieht sich wie Schlüpfergummi – das Warten ist ätzend! Wenn’s Telefon bimmelt, zucke ich zusammen… alles okay oder ist was passiert? Nichts passiert nur Zwischeninfo, dass ihm die Warterei auf den Keks geht, das Essen knapp und dürftig ist. Zum Glück hat er ein bisschen Obst mitgenommen und ein paar Nüsse. In der Klinik haben sie ihn schon gefragt, was er in den nächsten Tagen morgens, mittags und abends futtern möchte. Essen ist anders als zuhause, sagt er. Ziemlich wenig und langweilig obendrein. Na, für ein paar Tage geht’s schon mal – muss gehen – ist schließlich kein 5-Sterne-Palazzo!

Ach Mensch, heute sollte es Buletten geben, also hier zuhause. Mit Möhren und Kartoffel-Pü! Tja, daraus wird nun nichts, ab in den Gefrierschrank…

Das Warten macht mich verrückt – ich muss irgendwas Sinnvolles tun. Werde den Apothekenschrank aufräumen – ist schon längst fällig! Passt auch gut zur Situation; vermutlich brauchen wir in kürze Platz für was Neues. Was hier alles für Zeug rumsteht – braucht das noch jemand? Verfallsdatum überschritten, ab in den Abfallsack. Muss das in die Apotheke oder in den Restmüll?

Das Telefon klingelt. Na endlich, wie geht’s dir denn, bist du schon operiert? Nee, noch längst nicht, sagt er; irgendwann mittags bin ich dran. Hast du denn was gegessen? Ja, das Obst ist alle, sonst gab es noch nichts. Mein armer Schatz, sage ich gerade noch und dann legt er auf – wie schade!

Na wenn ich schon mal beim Aufräumen und Ausmisten bin, dann mal zu – die anderen Schränke könnte ein bisschen Ausmisten auch nicht schaden. Irgendwie irre, was man da so alles entdeckt! Wo kommt denn der neue Föhn bloß her? Wusste gar nicht, dass ein zweiter existiert. Und die vielen Ersatzzahnbürsten für die Elektrozahnbürste – gut zu wissen, hätte demnächst mal wieder neue gekauft! Himmel, was sich so alles ansammelt. Erkältungen können uns jedenfalls nicht erschrecken, wir haben genug Gegenmittel an Bord!

Telefonklingeln unterbricht meine Gedanken. Oh toll, OP gut verlaufen und dir geht’s gut? Mir fällt ein Riesenstein von der Seele. Dann schlaf mal schön mein Schatz und wir hören uns später. Wie viele Leute sind in deinem Zimmer und sind die okay? Geht so, sagt er und dann ist er auch schon weg!

Gemütliche Plauderstunde am Nachmittag fällt aus. Kein Geläster über dies und das. Abendessen alleine – nee, mach ich nicht, werde mir ein Eis aus der Kühltruhe nehmen und gut ist! Fernsehen zur Ablenkung? Ohne ihn ist das aber doof, kann dazwischen quatschen sooft ich will, mich aufregen, worüber auch immer – alles bleibt ohne Resonanz!

Hoffentlich kommt er bald wieder nach Hause. Der Hund braucht eben seinen Schwanz, mit dem wedelt er doch so gerne durch die kleinen und großen Dinge des Alltags! 

30.09.2020

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